„Irgendwann wurde halt aus Sex and Drugs and Rock’n‘Roll, Laktosefreiheit und politischer Korrektsprech.“
Bens Drehbuch fällt beim privaten Reading bei Filmproduzent Herbert komplett durch. Bens Schwager, der Filmregisseur Felix und dessen linksliberale Politikergattin Ruth sind die Gastgeber. Felix möchte das Werk des labilen Schwagers, nicht ganz uneigennützig, protegieren. Doch Herbert hat nur Interesse an Bens dunkelhäutiger Schauspielfreundin Amanda und spielt auf allen Linien seine Macht aus. Bens Skript wird in Felix' Hände zur Überarbeitung gegeben. Ben ist aus dem Spiel. Bei Rotwein und hitzigen Debatten über Diskriminierung und Sprachsensibilität gehen die Emotionen hoch. Der Abend eskaliert, als die Nachricht von einem Bombenattentat auf das Parlament und Ruths Politikerkollegen hereinplatzt. Einige Jahre später trifft sich die Runde radikal verändert wieder. Und es zeigt sich, dass die uneingeschränkte Vormachtstellung der „alten weißen Männer“ Vergangenheit ist.
ausführliche Beschreibung
In einer Zeit vor Netflix, Metoo, Black lifes matter, Gendersternchen und ChatGPT…
Der labile Autor Ben, Halbbruder der linksliberalen Politikerin Ruth, hat ein Drehbuch geschrieben. Sein Schwager Felix, Ruths Ehemann, hat ein internes Reading organisiert. Er will Ben bei Herbert, einem befreundeten Produzenten, protegieren und damit sich selbst als Regisseur ins Geschäft bringen. Doch Herbert ist mehr am exquisiten Rotwein und an Bens Freundin, der dunkelhäutigen Schauspielerin Amanda, als an Bens literarischen Ergüssen interessiert. Das dystopische Werk, gespickt mit Prophezeiungen zu Terror, digitalem Fortschritt, Klimawandel und Pandemien stößt bei Herbert auf wenig Begeisterung und verfehlt dessen kommerziellen Geschmack.
Mitten in die hitzige Debatte um Diskriminierung, Sprachsensibilität und Randgruppen platzt die Nachricht von einem Bombenattentat auf das Parlament. Führende Kräfte der Linkspartei und Ruths schärfster Gegner sind ums Leben gekommen. Werden Bens Prophezeihungen tatsächlich wahr? „So weit wird es nie kommen!“ lautet Herberts Urteil. Der alte weiße Mann nimmt und bekommt, was er will - jetzt will er Amanda. Er plant ein intimes „Casting“ und gibt Felix grünes Licht für eine Überarbeitung des Skripts in Richtung Kassenschlager…
In einer nicht allzu fernen Zukunft, ca. 10 Jahre später, trifft man sich wieder. Die Machtverhältnisse haben sich komplett verschoben. All das, was Ben vorhergesagt hat, ist wahr geworden. Das Drehbuch wurde verfilmt und hat Amanda zum Star gemacht. Ruth kämpft an der Spitze ihrer Partei gegen die erstarkte Rechte. Aber was ist mit Felix? Wo steht Herbert in der Zukunft - der alte weiße Mann? Und welche Rolle spielt Ben, der jetzt eine KI namens Benno 4.0 ist?
Folke Braband wirft einen kritischen Blick auf den Zeitgeist. Im geschmackvollen Ambiente einer linksintellektuellen Runde wird die Spanne zwischen Achtsamkeit und Zensur ausgelotet. Beginnend in einer Zeit vor der großen Flüchtlingswelle bis in die Fiktion einer unmittelbaren Hightech-Zukunft erfahren alle Figuren einen radikalen Wandel. Hinter dem Credo von Gleichbehandlung und Toleranz brodeln beinharte Interessenskonflikte und eiserne Machtpositionen. Es stellt sich die Frage – wohin führt das unsere Gesellschaft? Müssten wir nicht besonders achtsam sein, was die Zukunft betrifft? Nicht nur im Zwischenmenschlichen, sondern auch im Bereich der digitalen Entwicklung? Oder könnte es sein, dass ChatGPT die letzte Pointe der Menschheit schreibt?