Über uns

Der Thomas Sessler Verlag gehört zu den wichtigsten Theaterverlagen im deutschsprachigen Raum. Wir vertreten zeitgenössische Autor:innen und ein umfangreiches, über die Jahrzehnte gewachsenes Repertoire an Theatertexten aus allen Genres mit einem Schwerpunkt auf österreichischer Dramatik. In Kooperation mit österreichischen Buchverlagen sind wir als Agentur für Stoffrechte im Bereich Theater, Film und Hörspiel tätig. Zum Tätigkeitsbereich des Verlages zählt zudem die Pflege eines reichen Filmerbes, von Billy Wilder, über Fritz Lang bis hin zu Walter Reisch. Darüber hinaus vertritt der Verlag ein Repertoire an Werken aus dem Bereich Musiktheater – von Oper, über Operette bis hin zu Musicals.

Chronik

1906 oder 1909
Der „Alexander Marton Bühnen- und Musikverlag“ wird von Alexander (Sándor) Marton (1871-1938) in Budapest gegründet.
1923-27
Alexander Marton beauftragt seinen Sohn, Georg Marton (1899-1979), mit der Gründung weiterer Niederlassungen in Berlin, London, Paris und New York. Georg Marton ist Miteigentümer des Wiener Eirich Theaterverlags. Er tritt als Subunternehmer für verschiedene deutsche Theaterverlage in Österreich auf.
1927
Georg Marton verlässt den Theaterverlag Eirich und gründet sein eigenes Unternehmen, den Georg Marton-Verlag. Er vertritt Autor:innen wie Franz Molnár, Christa Winsloe, Paul Abraham, Gina Kaus, Franz Theodor Csokor, Robert Stolz, Felix Salten und Vicki Baum.
1930er
Im April 1933 übernimmt Georg Marton den Vertrieb der im Kiepenheuer-Verlag erschienenen Stücke Ödön von Horváths im Ausland. Bald sind Horváths Stücke in Deutschland de facto mit einem Aufführungsverbot belegt. Georg Marton hält weiter zu Horváth, nimmt das Stück „Die Unbekannte aus der Seine“ an und zahlt einen Vorschuss von 2500 Schilling für ein weiteres zukünftiges Stück („Hin und Her“).
1938
Georg Marton muss mit dem Einmarsch Hitlers fliehen, zunächst nach Paris, später in die Vereinigten Staaten nach Los Angeles. Die Verlagsleitung in Wien übernimmt August Hermann Zeiz alias Georg Fraser (1893-1964). Fraser verhilft jüdischen Autor:innenkolleg:innen zur Flucht und arbeitet verdeckt – in den Verlagsräumen – für den Alliierten Nachrichtendienst. Frasers Sohn, Thomas Hanno Zeiz alias Thomas Sessler (1915-1995), arbeitet als Auslandsvertreter für den Georg Marton Verlag.
Thomas Sessler flieht im November in die Schweiz und erhält durch die Gründung des Neuen Bühnenverlags eine befristete Aufenthaltsgenehmigung und Arbeitserlaubnis. Er arbeitet für den sowjetischen Geheimdienst und reist getarnt als „Auslandsdeutscher“ nach Deutschland, um militärische Informationen zu gewinnen. Er stellt Flugblätter und politische Kampfschriften her, verbreitet sie und knüpft Kontakte zu verschiedenen antifaschistischen Widerstandsgruppen. 1944 wird er in der Schweiz wegen Verletzung der Neutralität und Spionage interniert, mit Hilfe des US-Geheimdienstes kann er fliehen.
1943-44
Georg Fraser wird - nachdem er bereits 1938/39 in Gestapo-Haft kam - in Wien ein zweites Mal verhaftet, nachdem seine Fluchthelfertätigkeit aufgedeckt worden ist. Von 1943 bis 1944 wird er im KZ Dachau interniert, seine Frau Gertrud (* 1890) im August 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Fraser schließt sich nach seiner Rückkehr der Widerstandsgruppe 05 an. Er heiratet Anneliese Siems.
1945
Nach dem Krieg übergibt Georg Fraser den Verlag wieder an Georg Marton. Der Verlag nennt sich Georg Marton Plays. Mira Kutschera wird Geschäftsführerin, Fraser bleibt weiterhin für den Verlag tätig.
1946-1948
Helmut Qualtinger wird Lektor im Verlag. Es entstehen eigene Texte und er übersetzt für den Verlag Stücke aus dem Englischen.
1952
Gründung des Thomas Sessler Verlags in München. Sessler vertritt die Rechte der Stücke des Georg Marton Verlags in Deutschland. Ebenso wird das Repertoire der französischen Autor:innengesellschaft SACD für den deutschsprachigen Raum betreut.
Ab 1952
Thomas Sessler gelingt es mit – wie er selbst schilderte – „zäher Ausdauer“, die Rechte an den Werken Horváths zusammenzutragen und dessen Stücke einige Zeit vor dem Horváth-Boom der sechziger Jahre zur Aufführung zu bringen.
1953
Elisabeth Marton, die Tochter von Alexander Marton, gründet „The Marton Agency“ in New York. Der dritte Bruder, Andrew Marton, wird Journalist und Autor ebendort. Seit 1992 leitet Tonda Marton die Marton Agency.
Mitte der 1960er-Jahre
Die Schweizer Künstlerin Ruth Sessler, geb. Berger (1930-2007) gestaltet die Buchausgaben des Thomas Sessler Verlag München. Ihr hierfür entworfenes Signet wird prägend für die zukünftigen Logos des Thomas Sessler Verlags. Das Redesign von 2025 orientiert sich am Ursprungs-Signet. 1967 heiraten Ruth Berger und Thomas Sessler.
1967
Im Dezember stirbt Mira Kutschera. Thomas Sessler wird alleiniger Geschäftsführer des Georg Marton Verlags.
1968
Der Thomas Sessler Verlag wird in Wien ins Vereinsregister eingetragen. Der Georg Marton Verlag und die Wiener Verlagsanstalt werden vereinigt, Verlagsleiter und alleiniger Geschäftsführer ist Thomas Sessler. Die Verlagsräume der Wiener Verlagsanstalt in der Johannesgasse 12 werden neu gestaltet und Hauptsitz des Unternehmens. Ulrich N. Schulenburg (* 1941) arbeitet als Prokurist im Verlag.
1970er
Der Thomas Sessler Verlag setzt sich für die Stücke Jura Soyfers ein und sorgt somit für eine Renaissance eines der wichtigsten Vertreter der engagierten Literatur der 1930er-Jahre in Österreich.
1973
Ulrich N. Schulenburg wird Geschäftsführer des Verlags.
Der Verlag übernimmt die Schauspielabteilung der Universal Edition. Autoren wie H. C. Artmann, Peter Turrini, Wilhelm Pevny, Heinz R. Unger oder Franz Xaver Kroetz werden von nun an vom Thomas Sessler Verlag vertreten. In den folgenden Jahren erwirbt der Verlag diverse Rechte im Cabaret-Bereich, u. a. Karl Farkas, Ernst Waldbrunn, Gerhard Bronner, sowie das gesamte Repertoire des Paul Gordon Kleinkunstverlags.
Von Ulrich N. Schulenburg geschlossene Verträge mit Filmurheber:innen und deren Rechtsnachfolger:innen autorisieren den Thomas Sessler Verlag Rechteverlängerungen mit den großen Filmrechteinhabern wie der Kirch-Gruppe und der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung abzuschließen. Im Laufe der Jahre erwirbt der Thomas Sessler Verlag Teilrechte an über 3500 Spielfilmen.
1980er
Die internationale Präsenz der Autor:innen wird durch zahlreiche Auslandsreisen, u. a. nach Los Angeles, Moskau und New York von Ulrich N. Schulenburg, H. C. Artmann, Wolfgang Bauer, Helmut Qualtinger, Gerlinde Obermeir, Brigitte Schwaiger und Peter Turrini gestärkt.
1983
Ulrich N. Schulenburg kauft den Verlag von Thomas Sessler gegen Zeitrente und verlegt die Zentrale nach Wien.
1984
Eva Feitzinger wird Prokuristin im Thomas Sessler Verlag. Sie fördert gemeinsam mit Ulrich N. Schulenburg Autor:innen wie Werner Schwab, Franzobel, Michael Köhlmeier, Monika Helfer, Raoul Biltgen u. a.
Ulrich N. Schulenburg gelingt es mit Hilfe von Cornelius Schnauber in Los Angeles die Rechte an Fritz Lang zu erwerben. Film-Estates von Filmautor:innen und Filmregisseuren aus der Emigrationsszene wie Walter Reisch, Billy Wilder, Curt und Robert Siodmak werden durch die Akquise von Ulrich N. Schulenburg zum wichtigen Standbein der Filmabteilung des Thomas Sessler Verlags.
1990
Gemeinsam mit dem ORF wird das Cabaret-Archiv mit Schwerpunkt auf Farkas/Waldbrunn/Qualtinger für VHS-Auswertungen aufgearbeitet. „G'scheites und Blödes“ sprengt alle Verkaufsrekorde.
1992
Der Thomas Sessler Verlag kauft die Sascha-Film, die älteste Produktionsfirma Österreichs, und ebenso die traditionsreiche Wienfilm. Ulrich N. Schulenburg und Maria Teuchmann, Leiterin der Medienabteilung des Thomas Sessler Verlages, gelingt es, elf in den Wienfilm-Studios am Rosenhügel unter russischer Besatzung hergestellte Farbfilme aus Moskau nach Österreich zurückzuholen. Dieses filmhistorische Erbe wird danach einer umfassenden Verwertung zugeführt.
1996
Eva Feitzinger wird Geschäftsführerin des Verlags, gemeinsam mit Ulrich N. Schulenburg.
Übernahme der Vertretung von Boosey & Hawkes für Österreich (bis 2023). Damit vertritt der Thomas Sessler Verlag die Rechte an Werken von Richard Strauss, Leonard Bernstein, Igor Strawinsky, Benjamin Britten, HK Nali Gruber, Kurt Schwertsik u. a.
2001
Ulrich N. Schulenburg erhält das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse.
2002
„Die Welturaufführung von Friedrich Cerhas und Peter Turrinis Oper 'Der Riese vom Steinfeld' in der Staatsoper war ein gesellschaftliches Ereignis!“ (Neue Kronenzeitung)
Eva Feitzinger geht am 1. Juni in Alterspension.
2003
Maria Teuchmann (* 1957) folgt auf Eva Feitzinger als Geschäftsführerin des Verlages.
2005
Für „Hunt oder Der totale Februar“ erhält Franzobel den Nestroy-Preis für das beste Stück.
Ulrich N. Schulenburg erhält das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um das Bundesland Niederösterreich.
2007
Gabriel Barylli erhält das Österreichische Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst, Maria Teuchmann das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.
2008
Ulrich Schulenburg erhält das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.
2009
Ödön von Horváths urheberrechtliche Schutzfrist ist zu Ende (ausgenommen die noch geschützten Werken „Glaube Liebe Hoffnung“ und „Niemand“) und somit ist auch ein hohes Tantiemenaufkommen aus Horváths Werken nicht mehr gewährleistet. Maria Teuchmann bemüht sich erfolgreich, den Bereich Zeitgenössische Komödie als wichtiges Standbein des Verlags zu etablieren. Autor:innen wie Stefan Vögel, Daniel Glattauer, Folke Braband, Katrin Wiegend, Daniel Kehlmann u. a. garantieren Erfolge.
2011
Peter Turrini erhält den Nestroy-Preis fürs Lebenswerk. Seine Rede über die Entwertung der Rolle des Dramatikers löst eine Debatte aus.
Anlässlich eines großen Festes zum 70. Geburtstag wird Ulrich N. Schulenburgs autobiographisches Buch „Sie werden lachen, alles ist wahr“ präsentiert. (Amalthea Verlag, ISBN: 978-3-85002-745-8)
2012
Daniel Kehlmann erhält für „Geister in Princeton“ den Nestroy-Preis für das beste Stück.
2013
Sebastian Schulenburg und Maria Teuchmann werden geschäftsführende Gesellschafter:innen. Sebastian Schulenburg übernimmt die kaufmännische Agenda, Maria Teuchmann alle verlegerischen Kompetenzen. Ulrich N. Schulenburg scheidet als Geschäftsführer aus, bleibt aber Hauptgesellschafter.
Mit 482 Aufführungen das meistgespielte zeitgenössische Stück der Saison 2012/13: „Gut gegen Nordwind“, basierend auf dem gleichnamigen Roman von Daniel Glattauer, für die Bühne eingerichtet von Daniel Glattauer und Ulrike Zemme.
2014
Uraufführung: „Eine dunkle Begierde“: Christopher Hampton beginnt seine erfolgreiche Zusammenarbeit als Autor und Regisseur mit dem Theater in der Josefstadt. 2020 wird er Ehrenmitglied des Theaters in der Josefstadt.
Ulrich N. Schulenburg wird das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland verliehen.
2015
Bei einer Auktion wird das frühe, lange Zeit als verschollen geglaubte Theaterstück „Niemand“ von Ödön von Horváth von der Wienbibliothek ersteigert. Der Thomas Sessler Verlag verwaltet die Verwertungsrechte.
2016
Ulrich N. Schulenburg feiert seinen 75. Geburtstag und die gesamte Kulturszene Österreichs stellt sich ein zum großen Fest auf dem Galopprennplatz in Wien.
2017
Die Webseite filmstoffe.at geht als Plattform für die vom Thomas Sessler Verlag vertretenen Buchverlage und deren Filmstoffe online. Die Präsenz des Verlages bei Stoffbörsen auf Filmfestivals wie der Berlinale, dem Filmfestival in Cannes, dem Münchner Filmfestival wird intensiviert.
2019
Auf ORF 2 wird das halbstündige Portrait „Familien-Bande. Der Theaterverlag Thomas Sessler“ ausgestrahlt (Gestaltung: Gustav W. Trampitsch).
In der Spielzeit 2018/19 ist Stefan Vögels Komödie „Die Niere“ mit 239 Aufführungen das meistaufgeführte zeitgenössische Stück der Saison in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
2023
Der Thomas Sessler Verlag vertritt gemeinsam mit dem DVB-Verlag Werke der Autorin Maria Lazar (1895-1984), die aufgrund der verlegerischen Leistung Albert C. Eibls Leistungsschutzrecht genießen. In Folge kommt es zu einer fulminanten (Wieder-)Entdeckung der Autorin auf österreichischen und deutschen Bühnen.
2024
Am 17. Oktober werden in Berlin Stolpersteine für Thomas Sessler und Gertrud Zeiz verlegt, einen Tag später für August Hermann Zeiz.