Ein verordneter Tod als Zukunftsszenario einer Gesellschaft mit leeren Rentenkassen, Pflegenotstand, vielen Singles, vielen Alten und wenig Jungen?
„Vielleicht lernen Kinder nur deshalb sprechen, um ihre Gedanken mitteilen zu können und damit ihrer Einsamkeit zu entfliehen.“
Wir sind im Jahr 2034. Jeder über 80 muss sich einem Test unterziehen, der über sein Weiterleben entscheidet. In einem sterilen back-stage-room warten fünf betagte Herrschaften auf das entscheidende Ergebnis, das im Rahmen einer Show bekannt gegeben wird. Erreichen sie die erforderliche Punktezahl nicht, geht es schnurstracks zur finalen Euthanasieparty. Auf unterschiedliche Weise überspielen die Senioren ihre Todesangst und plaudern mit abgeklärter Ironie über das Leben, das sie durch die erforderliche Überlebenspunktezahl um ein Jahr zu verlängern hoffen. Besteht man den Test nicht, hat man die Möglichkeit, innerhalb einer bestimmten Frist einen Ersatzmenschen zu stellen. Findet man keine “Vertretung”, wird man herzlichst zur letzten Party geladen. Beim “Exstasy rave” dem via Fernsehen verordneten Todesfest, wartet der Giftprosecco zur passenden Wunschmusik...
"Ich nehme für mich einen ganz radikalen und rigorosen Standpunkt in Anspruch, weil ich glaube, dass niemand bei dieser Problematik in der Lage ist, Grenzen zu ziehen. Von Hunderten, die nach einem Unfall im Koma liegen, wird vielleicht einer wieder gesund. Und Sie wissen nicht, ob das nicht genau der ist, der gerade vor Ihnen liegt. Ich bin dazu da, Leben zu retten, nicht zu vernichten. Und ich habe in den 26 Jahren als Ärztin noch nie jemanden erlebt, wo ich gesagt habe: ”Es war gut, dass er gestorben ist:” Allein schon dieser Begriff
”erlöst”... es werden Schranken geöffnet, die nicht mehr
zu schließen sind … (Constanze Dennig)