Geriatrischer Cocktail

Constanze Dennig

Pflegenotstand, ein brennendes Thema unserer Gesellschaft.
„Ein Taxi in den Himmel bitte, sofort und geradewegs.“
Pflegenotstand, ein brennendes Thema unserer Gesellschaft. Wie geht man mit immer älter werdenden Menschen um? Was passiert mit denen, die sich ihrer Angehörigen in den eignen vier Wänden annehmen? Constanze Dennig mixt aus glamouröser Künstlervergangenheit, zwiespältigen Kindheitserinnerungen und den Auswüchsen eines lückenhaften Sozialsystems einen hochprozentigen „geriatrischen Cocktail“, der einen bitteren Geschmack hinterlässt.
ausführliche Beschreibung
Der „große Vianesi“, einst ein gefeierter Operntenor, wird auf dem traurigen „Karrierehöhepunkt“ von Pflegestufe 7 von seiner Tochter Charlotte rund um die Uhr betreut. In einer kleinen Wohnung, komplett isoliert von der Außenwelt, pflegt sie den dementen, offiziell auf Stufe 3 eingestuften Vater, der nur noch über die Melodien aus der glorreichen Sänger-Vergangenheit für kurze Momente aus der Götterdämmerung erwacht. Während ihr Tagesablauf aus Füttern und Windelwechseln besteht, erlebt Charlotte die Unterdrückung ihrer verpatzten Jugend wieder, in der ihr fehlendes musikalisches Talent permanent vom singenden Übervater bemängelt wurde. Der Widerstand des einstigen Tenors ist auch in der schwächsten Lebensphase ungebrochen. Beim täglichen Zweikampf um Nahrungsaufnahme und Ausscheidung entgleitet der nonstop-Pflegerin allmählich die eigene Realität und sie steuert auf die Endstation ihres verlorenen Lebens zu. Gibt es einen Weg aus dem Duett des Elends?

Die Menschen werden immer älter, viele in der Obhut ihrer Angehörigen, die über ihre Grenzen gehen. Constanze Dennig, Ärztin und Autorin, widmet sich in dem endstationären Kammerspiel dem brisanten Thema Geriatrie. Das Gespenst des Alterns schwebt wie ein Damoklesschwert über einer immer älter werdenden Gesellschaft. Dennig beleuchtet ohne Beschönigung den „Pflegefall Familiensystem“, zeigt aber auch die aberwitzige Seite der Tragödie. Die Gratwanderung zwischen Hass und Liebe in einem System, das in Einsamkeit und Isolation führt.
1D 1H
Schauspiel
UA: 2005, Theater am Lend, Graz