Der Automat

(L'automate)

Julien Green

"In allen Ereignissen dieser Welt ist eine unbekannte Kraft am Werk, die unsere kleine, menschliche Intelligenz überfordert."
Julien Green, der spirituelle Sucher, verknüpft in diesem 1979 geschriebenen Stück die Grenzen zwischen familiären und politischen Unruhen. In atmosphärischer Feinfühligkeit umkreist er die Erlösungssehnsucht des einsamen Menschen und zeigt eine Gesellschaft im apokalyptischen Verfall.

Was ist der treibende Impuls, der uns herausfinden lassen will, wie das Innerste eines Atoms gestaltet ist? Ist der Mensch ein Automat, dessen Bestandteile man beliebig auseinandernehmen kann oder steckt hinter dem Erkenntnisstreben des Menschen die Möglichkeit des Göttlichen, das die Unberechenbarkeit des einzelnen Individuums begründet?
ausführliche Beschreibung
Auf den Straßen von Paris herrscht Unruhe, drohender Krieg liegt in der Luft. Gewaltsame Demonstrationen, die durchaus Assoziationen mit den jüngsten Ereignissen in Frankreich hervorrufen könnten. Während von draußen bedrohlicher Lärm dringt, schirmt der Philosophieprofessor Lombard seine Nichte Jeanne und seinen Neffen Steve, die seit dem Tod ihrer Eltern in seinem Haus leben, vom Weltgeschehen ab. Jeanne leidet an bösen Vorahnungen und sammelt Todesanzeigen. Steve, der unverkäufliche Bilder malt, kommt mit seiner tiefen Sehnsucht nach Liebe nicht zurecht und gibt sich zynisch. Der von ihm verachtete Psychologe Pazzo soll ihn auf Wunsch des Onkels kurieren.

Ein Abendessen, das Lombard für das befreundete Ehepaar Blondeau gibt, gerät zum Desaster. Bei aufgesetzter Heiterkeit genießt man exklusiven Portwein, berauscht sich an Untergangsphantasien, erregt sich über einen Börsenkrach und parliert halbherzig über Gott und die Welt. Während Florence Blondeau mit Steve flirtet, eröffnet ihr Mann seinem Freund Lombard den finanziellen Ruin. Steve verweigert die Therapieversuche Pazzos und feuert einen Warnschuss auf dessen Schatten ab. Danach stürzt er sich vom Balkon in den Tod.

Posthum bringt der verkannte Maler dem bankrotten Onkel durch den Verkauf seiner Bilder ein Vermögen. Jeanne flüchtet ins Kloster und lässt den mit seiner Philosophie gescheiterten Lombard in der Hölle der Einsamkeit zurück.
3D 5H
Schauspiel
Übersetzung aus dem Französischen:
Irene Kuhn