Robinson – Meine Insel gehört mir

Raoul Biltgen

Wer ist ein Fremder, was ist Heimat?
„Du musst schon selber Verantwortung für dein Leben übernehmen.“
Robinson lebt auf seiner einsamen Insel, seitdem er vor ein paar Jahren Schiffbruch erlitten hat. Manchmal fühlt er sich einsam, aber dafür kann er hier tun und lassen, was er will. Und alles gehört ihm. Damit das so bleibt, hält er täglich am Strand Wache. Am liebsten würde er ja einen Zaun um die ganze Insel ziehen, um jeden potentiellen Eindringling von sich fernzuhalten. Eines Tages werden seine Ängste wahr: Ein Mensch strandet nach einem Schiffbruch auf der Insel und steht auf einmal vor ihm ...
ausführliche Beschreibung
Robinson lebt auf seiner einsamen Insel. Er kann tun und lassen, was er will, er ist zufrieden. Er hat, was er braucht, vielleicht sogar ein bisschen mehr. Er hat Kartoffeln und kann sich im Kokosöl Pommes oder Chips machen. Und eine Ziege hat er, eine Harpune und eine eigene Quelle. Es geht ihm gut. Das war nicht immer so. Vor Jahren ist er hier gestrandet.

Er war Matrose auf einem Schiff, das im Sturm gekentert war. Robinson wurde auf die Insel gespült und war allein. Keine Rettung in Sicht. Früher hatte er noch Hoffnung. Aber nicht die Hoffnung stirbt zuletzt, sondern der Mensch. Also hat Robinson beschlossen, zu überleben. Er hat sich ein Dach aus Palmenblättern gebaut und ein Haus darunter, und rundherum einen Zaun gezogen. Er hat gelernt, Fische zu fangen und auf seiner Feuerstelle Wasser zum Kochen zu bringen.

Er hat sein eigenes Jagdrevier. Er ist Herr des Waldes, Herr der Insel, Herr seiner Welt. Er braucht niemanden. Im Gegenteil: Er will gar niemanden, der ihn seines Reichtums berauben könnte. Daher muss er vorbeugend handeln. Täglich hält er am Strand Wache. Am liebsten würde er ja einen Zaun um die ganze Insel ziehen, um jeden potentiellen Eindringling von sich fernzuhalten.

Doch eines Tages werden seine Ängste wahr. Ein Fremder strandet auf der Insel. Er kann nicht mehr zurück, daheim wird er gefressen. Robinson wird misstrauisch. Der Fremde heißt auch Robinson. Was soll das? Das ist sein Name. Der Fremde wird nach dem aktuellen Wochentag benannt. Freitag soll er heißem. Ist ihm auch recht. Freitag will Robinson gar nichts wegnehmen. Im Gegenteil. Er ist glücklich. Er ist am Leben. Und er ist auf dieser einsamen Insel nicht allein.

Raoul Biltgen behandelt mit vorsichtiger Hand und kluger Ambition das Thema Flüchtling und Asyl. Hier geht es nicht um schwarz-weiß und gut oder böse. Hier wird menschlichen Ängsten auf den Grund gegangen. Wer bin ich, woher komme ich, wovor fürchte ich mich. Wer ist ein Fremder, was ist Heimat? Und wie kann das Fremde mit dem vermeintlich Heimatlichen auskommen? Kann man sogar voneinander lernen?
„Genial, so auf den Punkt gebracht und trotzdem nie verkopft, 'lehrreich', aber nicht oberlehrerhaft.“
Heinz Wagner, Kurier, 29. Mai 2016
„Robinson ist eine wundervoll kluge gesellschaftskritische Parabel über Angstdenken in Bezug auf das Fremde. Die betont lockere Sprache erinnert an den Plauderton einer Stand-Up-Comedy und vermeidet alles Moralisierende. Stattdessen wird hier mit Intelligenz und Humor auf sehr unterhaltseime Weise zu einem der brennendsten Probleme unserer Zeit Stellung bezogen.“
Aus der Jury-Begründung zur Verleihung des Niederländisch-deutschen Kinder- und Jugenddramtiker*innenpreises 2017
„Defoe galt als großer Satiriker und vieles in seinem Robinson ist eher ironisch zu verstehen. Ganz dieser Lesart verschrieben hat sich auch der Luxemburger Autor Raoul Biltgen, der seine 'Robinsonade' mindestens so gesellschaftskritisch wie humorvoll gestaltet.“
Uschi Oberleiter, Tiroler Tageszeitung, 4. Oktober 2019
„In dem Stück geht es um Asyl und die Angst vor derm Fremden. Ich habe es für Menschen ab 8 Jahren geschrieben. Ich bin überzeugt, auch Jüngere können etwas damit anfangen, wenn es gut gemacht ist. Kommt das Wort Asyl drin vor? Das muss es gar nicht, um das Thema auf den Punkt zu bringen. Die jungen Zuschauer*innen fragen nachher nicht, worum es gegangen ist, oder was sich der Autor wohl dabei gedacht hat. Und genau deshalb nehmen sie unglaublich viel mit. Weil sie etwas erlebt haben. Weil sie miterlebt haben, wie aus Einsamkeit Angst wurde, um die schließlich die Absurdität dieser Angst zu spüren, als sich der Fremde als alles andere entpuppt denn das, wovor man Angst hatte.“
Raoul Biltgen
2H
1 Dek.
Jugend, Kinder
Alter: 8+
Ausgezeichnet mit dem „Kaas & Kappes“ Kinder- und Jugenddramatikerpreis 2017
UA: 2016, Plasieranstalt / Odeion Salzburg / Theater Dschungel Wien