Der lange Sonntag Osmans

Kundeyt Şurdum

Über das Leben der sogenannten „Gastarbeiter“ – zwischen Erschöpfung, Wut, Einsamkeit und Langeweile
„Ich hasse das Land, das Gastarbeiter schickt.“
Das Hörspiel „Der lange Sonntag Osmans“ (Ursendung 1982) dreht sich um Bekir, der schon sein halbes Leben in Österreich lebt, und seinen Mitbewohner, der ehemalige Dorfschullehrer Osman, der die Türkei nach dem Militärputsch verlassen hat. Es ist ein Sonntag im Winter. In einer Atmosphäre aus Erschöpfung, Einsamkeit und Langeweile geraten Osman und Bekir in Streit, brechen Wunden auf. Bekir hat Angst, eines Tages nicht mehr gebraucht und fortgeschickt zu werden aus dem Land, das für ihn eine Heimat ist. Heimat, die ihn jedoch nur als Arbeitskraft sieht. Osman schreibt Briefe an seine Frau, an seine Tochter. Seine Frau wartet und hasst „das Land, das Gastarbeiter schickt“ wie „das Land, das dich als Arbeitskraft aufgenommen hat“. Seine Tochter hat ihren Vater beim letzten Treffen vor mehr als drei Jahren nicht mehr erkannt.
Um der beklemmenden Enge zu entfliehen, gehen Osman und Bekir ins Freie. Es schneit. Auf dem Spielplatz ohne Kinder toben sie sich aus. Ein Hund kommt und bellt sie an: „Darf ich Sie darauf aufmerksam machen, dass dies hier ein Kinderspielplatz ist, wo keine Erwachsenen auf der Schaukel sitzen dürfen. Vor allem keine Ausländer. Höchstens Touristen. Weil die Devisen bringen. Weil man mit Devisen neue Fabriken baut. Nein, neue Fabriken baut man nicht. Man kauft neue Maschinen, die weniger Arbeiter brauchen.“
2D 3H
Hörspiel
Frei zur: UA