Die Kastanien blühen

Helmut Qualtinger

Zwischen Fürsorge und Grausamkeit
Ein alter Mann schiebt seine gelähmte Frau im Rollstuhl durch den Wiener Prater. Während sie nur lallen kann, führt er ununterbrochen Monologe über Fernsehen, Prater, alte Zeiten und seine eigene Vergangenheit. Immer wieder bringt er sie in groteske Situationen – stellt den Rollstuhl auf die Schienen der Liliputbahn, stößt ihn in Pfützen oder lässt sie im Bierzelt zurück, während er trinkt und dirigiert.

Zwischen Fürsorge und Grausamkeit schwankt sein Verhalten: er putzt sie liebevoll ab, beschimpft sie aber zugleich und phantasiert vom Tod, den er als „faul und schlampert“ bezeichnet. Immer wieder dringt durch, dass er von ihr Aktien und Erbe erwartet.

Am Ende, unter den blühenden Kastanien, bleibt die Frau ausgeliefert – er klagt über seine geringe Rente und fordert kokett ihre Aktien. Sie verweigert sich lächelnd.