Die bekannte Geschichte um Mozarts Requiem aus einer ganz neuen Perspektive erzählt.
Man kennt ihn aus den zahlreichen Mozart-Filmen und Biographien, düstere Legenden ranken sich um seinen geheimnisvollen Auftritt: der anonyme Auftraggeber für Mozarts "Requiem". Heinz Oliver Karbus widmet dieser Randfigur der Musikgeschichte, diesem zur Anekdote erstarrten Charakter ein Stück. Nicht das Genie Mozarts stellt er ins Rampenlicht, sondern die Qual eines Normalsterblichen, der um sein eigenes mangelndes Talent weiß. Die Geschichte, die ihren (allseits bekannten) Lauf nimmt, stellt ihn auf eine harte Probe...
ausführliche Beschreibung
Graf von Walsegg trauert um Anna, seine im jungen Alter von 20 Jahren verstorbene Frau. Er will einen Ausdruck finden für seinen alles beherrschenden Schmerz und der Verstorbenen gleichzeitig ein letztes, großes Geschenk mitgeben: Ein eigenes Requiem will er ihr komponieren! Doch ein ums andere Notenblatt landet im Papierkorb. Ein alkoholgetränkter Abend endet in der Einsicht, dass auch dieses
Werk, wie viele vordem, anonym in Auftrag zu geben sei. Für den reichen Adeligen Walsegg ist es leicht, sich ein Manuskript zu erkaufen und für das eigene auszugeben. Jedenfalls ist das Zahlen leichter als die Einsicht, dass man selbst auf künstlerischem Gebiet nichts zu Stande bringt. Eine Einsicht, die Walsegg an diesem schrecklichen Abend dennoch nicht erspart bleibt. Der Gutsverwalter Leutgeb, in diesen Momenten Walseggs einzige Bezugsperson, lässt den Grafen unvorsichtigerweise wissen, dass die Wiener Musiker hinter seinem Rücken tratschen, weil alle wissen, dass er keine Note seiner angeblichen Werke selbst geschrieben hat…
Wenn es eh alle wissen, dann braucht er ja vor seinem Diener kein Blatt mehr vor den Mund zu nehmen! Walsegg beauftragt Leutgeb, in Wien nach einem geeigneten ‚Ghostwriter‘ zu suchen. Leutgeb erfährt in einem Gespräch mit Süßmayr, einem Notenkopisten und dem Geliebten von Mozarts Frau Konstanze, dass Mozart pleite ist. Spielsucht, Trunkenheit und die Verschwendungssucht seiner untreuen Frau hätten ihn an den Rand des Ruins gebracht. Es lohne sich also, sich mit einem zahlungskräftigen Auftraggeber an Mozart zu wenden. Mozart. Mozart!, Leutgeb ist ganz aus dem Häuschen. Auch Walsegg traut seinen Ohren nicht. „Warum nicht gleich Haydn?“, fragt er ungläubig. Mozart hat ein viel zu hohes Standing. Wer hätte da gedacht, dass er anonym für einen Auftraggeber … Wie auch immer, es ist beschlossene Sache, Leutgeb soll maskiert bei ihm vorsprechen, um die Summe zu verhandeln.
Als Walsegg die ersten Teile der Partitur kopiert, ist ihm überdeutlich: Das ist genial! Doch er wird abrupt von Leutgeb unterbrochen. Mozart sei tot. Tot, wie tot, und der Rest der Partitur?, das ist alles, was Walsegg dazu einfällt. Für Leutgeb, der die Tragweite des Verlusts versteht, ist die Ignoranz des Grafen unverständlich. Er braucht erst mal einen doppelten Schnaps. Walsegg und Leutgeb fahren, wieder incognito, zu Mozarts Totenmesse. Und siehe da: Das Requiem wird aufgeführt, unter Mozarts Namen, und niemand hat es für nötig befunden, den Auftraggeber auch nur zu fragen! Walsegg ist erbost, Leutgeb versucht, ihn zu beschwichtigen. Ein Requiem, Mozarts Requiem, das könne man nicht kaufen. Er solle sich glücklich schätzen, den Anstoß zu diesem bedeutenden Werk gegeben zu haben. Sei es nicht ebenso gut, wenn nicht besser, seiner Anna ein Requiem von Mozart zu schenken?
Walsegg hat ein Einsehen. Aber die Partitur – die Originalpartitur! Die gehört ihm. Und schon steht er bei Konstanze im Empfangszimmer. Neben ihr der verhasste Süßmayr. Die beiden liefern Walsegg eine geschmacklose Szene. Als Konstanze schließlich doch genötigt ist, klein beizugeben, überreicht sie Walsegg abermals nur einen Teil der Partitur. Wo ist der Rest?, fragt der Graf gereizt. „Bei Süßmayr“, antwortet Konstanze. Wieder nur die halbe Wahrheit … Süßmayr hat Mozarts Handschrift vernichtet und will selbst den Ruhm für die Vervollständigung des Manuskripts einstreichen.
Heinz Oliver Karbus legt mit DER MANN, DER MOZART KAUFTE ein Drama vor, das die bekannte Geschichte um Mozarts Requiem aus einer ganz neuen Perspektive erzählt. Wie muss sich ein Mensch fühlen, der alle Ambitionen hat, aber kein Talent? Und wie begegnet er einem wie Mozart? Eine große Kluft trennt die Normalsterblichen von dem besonders Begabten. Ein Stück über Gegenspieler, von
der Geschichte Vernachlässigte und über menschliche Größe.