„Ihr Vater ist im Netz verloren gegangen. Ich fahre besser zu ihm.“
Monsieur Pierre soll auf seine alten Tage online gehen? Er tut es, auf Wunsch seiner Tochter Silvie. Damit bringt er nicht nur Bewegung in sein eigenes einsames Witwerdasein, sondern wirbelt den Rest der Familie gehörig durcheinander. Der romanische „Cyrano“ fädelt über eine Kontaktbörse im Internet ein Date ein. Nur mit der Poesie seiner Worte. Und das sorgt in Folge für große Veränderungen im Beziehungsstatus seiner Enkelin, deren Freund, einer jungen Frau aus Brüssel und schließlich in seinem eigenen. Tochter Silvie staunt nur noch über ihren virtuell aktiven Vater. Der beherrscht aber immer noch die Sprache des Herzens. Folke Brabands bezaubernde Bühnenfassung nach dem Film „Un profil pour deux“ von Stéphan Robelin.
ausführliche Beschreibung
Pierre ist ein 79-jähriger Dickkopf. Seit zwei Jahren ist seine Frau tot, und er liebt sie wie die letzen fünfzig Jahre davor. Tochter Silvie macht sich Sorgen um den vereinsamten Griesgram, der die Wohnung nicht mehr verlässt. Auf jede positive Anregung hat er eine negative Antwort. So sieht er auch nicht ein, dass er auf seine alten Tage Silvies ausrangierten Computer übernehmen soll. Und einen Lehrer für diesen Internetkram hat sie ihm auch gleich aufgebrummt: Alex, einen jungen erfolglosen Drehbuchautor. Dass der Schreiberling der neue Freund ihrer Tochter Juliette ist und mit ihr wegen akuten Geldmangels bei Silvie wohnt, verschweigt Silvie dem Vater aus gutem Grund. Pierres ungebrochene Sympathie gehört nämlich Juliettes Verflossenem David, der die Trennung von Juliette in Shanghai verarbeitet. Mit der Enkelin redet der störrische Großvater kein Wort.
Pierre geht online und macht erstaunliche Fortschritte. Er skypt mit David und schimpft in Alex‘ An- wesenheit über den „Neuen“ seiner Enkelin. Mit Juliette herrscht nach wie vor Funkstille. Auch ohne Alex experimentiert Pierre munter drauf los und loggt sich in einer Partnerbörse ein. Allerdings mit Alex‘ Foto und entsprechender Altersangabe. Prompt melden sich interessierte Damen, die den attraktiven 31jährigen „Sinologen“, der „seiner verstorbenen Freundin“ nachtrauert, kennenlernen wollen. Mit Flora, einer Physiotherapeutin aus Brüssel, macht sich Pierre nach einem romantischen Mail-Flirt, ein Rendezvous aus. Natürlich muss Alex für ihn einspringen. Zum Date nach Belgien will Pierre aber mitfahren und in der Nähe sein. Schließlich ist Flora ja seine Eroberung.
Flora und Alex verlieben sich, und es dauert nicht lange, da will sie ihn in Paris besuchen. Doch wo soll sie wohnen? Natürlich bei Pierre, der sich als Opa von Alex ausgibt, nicht wissend, dass Alex ja tatsächlich mit seiner Enkelin liiert ist. Doch ein bisschen will der „Cyrano“, der schließlich mit der Poesie der Worte Floras Herz gewonnen hat, auch ihren erfrischenden Anblick genießen. Das geht so lange gut, bis Silvie mit Juliette aufkreuzt, um dem ungewöhnlichen Verhalten ihres Vaters auf die Spur zu kommen. Pierre ist nämlich wie ausgewechselt. Silvie betrachtet die junge Frau an der Seite ihres Vaters äußerst skeptisch. Alex hat gewaltigen Stress, Flora, die für die Freundin Pierres gehalten wird, selbst aber der Meinung ist, Alex‘ Freundin zu sein, vor Juliette zu verbergen.
Nach einer flotten Versteck-Rochade fliegt alles auf. Flora kapiert, dass sie belogen wurde, Pierre ist gekränkt, weil er über Alex‘ Beziehung zu Juliette getäuscht wurde, und die schnallt, dass Alex hier nicht nur für Opa zuständig ist. Doch trauert sie ohnehin ihrem Ex-Freund David in China nach, der viel besser zu ihr passt und zum Glück einen Trip nach Paris ankündigt. Und Alex passt ja auch viel besser zu Flora. Das hat der weise Großpapa längst gespürt. Nach der „ersten Runde Partnersuche“ geht es für Pierre weiter. Dafür wurde von Seiten der Familie schon gesorgt. Es gibt ja auch Frauen in seinem Alter, die nicht allein sein wollen. Und sie lassen nicht lange auf sich warten...
Eine charmante Komödie, reich besetzt an Figuren, an der Spitze Alt-Darling Pierre, der nicht nur online für Turbulenzen sorgt. Tiefe Verstrickungen und gewagte Doppelspiele drehen das Komödienrad in schwindelerregende Höhen. Und die Liebe, um die es natürlich geht, zeigt sich auch in zarten spätherbstlichen Farben. Der Film verlangte nach einer adäquaten Bühnenfassung, die Folke Braband prompt lieferte. Reduziert auf sechs Personen erzählt er die Geschichte leicht und rasant. Man lacht, schmunzelt, ist berührt und beglückt.