Gleich ≠ Gleich

Raoul Biltgen

Ein Beziehungsstück über fatale Rollenbilder
"Manchmal wäre vieles viel einfacher im Leben, wenn es einen Soundtrack dazu gäbe."
Melina und Lukas streiten schon nach ihrer ersten Begegnung. Männer und Frauen sind eben grundverschieden, sie passen nicht zusammen. Dabei will Melina nicht Gleichheit, sondern Gleichberechtigung. Am Höhepunkt der Eskalation wünscht sich Melina die Vormacht der Frauen, und Lukas ersehnt sich die Fünfziger Jahre, in denen die Wünsche der Männer unwidersprochen erfüllt wurden. Da erscheint die Wünsch-dir-was-Fee und fordert sie auf, beide Modelle durchzuspielen. Das Desaster ist vorprogrammiert. Wann ist man endlich auf selber Augenhöhe? Auch wenn gleich ungleich gleich bedeutet?
ausführliche Beschreibung
Einfach ist Melinas und Lukas' erste Begegnung nicht. Melina war es, die Lukas angesprochen hat. Eigentlich hätte Lukas den Anfang machen müssen. Meint Melina. Das sieht Lukas anders. Einfach gestaltet sich auch der weitere Verlauf ihrer Beziehung nicht. Nach dem ersten Kino, den ersten SMS- Botschaften mit Emoticons, gibt es schon den ersten Zoff. Tanja und Marco wissen mehr über Melina und Lukas, als die beiden selbst. Das liegt daran, dass Lukas seine Absichten nicht Melina erklärt, sondern Marco, der wiederum alles Tanja weitersagt. Und so erfährt Melina, was Lukas von und mit ihr will. Warum redet er nicht mit ihr? Ständig streiten sie sich über das Gleiche: Dass sie nicht gleich sind. Dabei will Melina nur gleichberechtigt sein.

Sie versteht ihn nicht, und er versteht sie nicht. Männer und Frauen passen nicht zusammen. Punkt. Am Höhepunkt des Beziehungseklats wünscht sich Lukas die Fünfziger Jahre zurück, in denen Frauen zufrieden am Herd die Wünsche der Männer erfüllten. Und Melina fordert, dass die Frauen das Sagen haben. Da taucht Hildegard, die Wünsch-dir-was-Fee auf und gibt grünes Licht für alle ausgesprochenen Wünsche. Melina und Lukas trauen ihren Augen nicht. Das soll eine Fee sein? Doch wie hat denn eine Fee auszusehen? Schon wieder diese vorgefassten Bilder! Hildegard, der, die, das FIITSCHI, wie er, sie, es sich nennt, übernimmt die Regie: Version eins: Weg mit Feminismus und Frauenrechten, alles wie früher. Los geht's!

Die Zeitreise in die Vergangenheit mit der glücklich strahlenden Frau, die dem Mann das Bier zum Fernseher bringt, scheitert natürlich kläglich. Lukas tut sich schwer. Und als er Gefallen an seiner Rolle findet, streikt Melina. Version zwei: Frauen an die Macht! Doch jetzt kommt Melina erst recht ins Schleudern. Sie führt sich auf wie ein fehlgelenkter Macho, und Lukas wird zum Weichei. Der totale Reinfall! Schluss mit dem Spiel. Sie haben nur ihre Macht ausgekostet. Anstatt mit der Macht gleichberechtigt umzugehen. FITSCHI verschwindet. Und Lukas und Melina fangen noch einmal ganz von vorne an. Ohne Spiel. Ohne Macht. Und ohne Regeln. Wird es funktionieren?

Raoul Biltgen stellt den ewigen Geschlechterkampf ins Licht. Warum kann man nicht, fern aller Verhaltensklischees, aufeinander zugehen? Wie soll ER, sein, wie hat SIE zu sein? Und wie dürfen sie auf keinen Fall sein? Wann ist man endlich auf selber Augenhöhe? Biltgen durchleuchtet mit viel Witz und Komik das durch Erziehung und Gesellschaft oktroyierte Rollenbild von Männlein und Weiblein und schickt beide mit Hilfe einer theatralen Phantasiefigur und Einbeziehung des Publikums noch einmal in die Startlöcher zurück.
2D 1H
Jugend, Schauspiel
UA: 2019, Theater Jugendstil, Wien