Der Rüssel

Wolfgang Bauer

Das erste Bühnenstück Wolfgang Bauers, posthum wiederentdeckt - eines der frühesten Beispiele des absurden Theaters in deutscher Sprache
Wolfgang Bauers Drama „Der Rüssel“ (1962), das lange als verschollen galt, ist eines der frühesten und konsequentesten Beispiele des Theaters des Absurden in deutscher Sprache. Im alpinen Setting um eine Bauernfamilie namens Tilo mit ihren drei erwachsenen Enkelsöhnen, um die junge Braut Kellerbirn Anna, Bürgermeister Trauerstrauch, Kaplan Wolkenflug & Co. verändern sich infolge Klimaerwärmung Flora und Fauna: Palmen sprießen, metergroße Riesenschnecken spenden Gaumenfreuden. Ein aus dem Gebirgsbach geborener Elefant verkeilt sich mit seinem Rüssel im Haus der Tilos; dieser wird zur Touristenattraktion und schließlich zum Streitobjekt auf Leben und Tod. Bei all seinem grotesken Witz offenbart Wolfgang Bauers erstes abendfüllendes Bühnenstück existenzielles und gesellschaftliches Grauen von höchster Aktualität.
ausführliche Beschreibung
Während die Großeltern-Generation sich mit Kartenspielrunden in der Bauernstube, bei denen tausende Karten im Einsatz sind, die Zeit vertreibt, wartet Enkel Florian auf die Ankunft des großen Elefanten. Von seinem Urgroßvater, einem Tropenreisenden beeinflusst, ist der Enkel nicht von seiner Afrika-Begeisterung abzubringen. Während der großen Kartenrunde mit Bürgermeister und Kaplan bricht im steirischen Alpendorf auf einmal die afrikanische Savanne hervor – Riesenschnecken bahnen sich den Weg durch schnell-sprießende Palmen. Im tosenden Unwetter wird der Elefant aus einem Wildbachloch geboren – Florians Traum geht in Erfüllung!

Seine Geliebte Anna muss sich der Nachstellungen des schlagrahm-rasierschaumbedeckten Großvaters Ulpian erwehren. Großmutter wird von dem Rüssel des Elefanten überrascht, der sich durch das Stubenfenster zwängt. Der Elefant bleibt stecken, die Hitze wird unerträglich. Flora und Fauna ändern sich radikal und sogar der Kolonialwarenhändler Kuckuck sattelt auf Tropenmode und Lendenschurz um.

Das Dorf wird zum attraktiven Reiseziel und von der internationalen Presse belagert. Die Fütterung des eingeklemmten Elefanten mit Bananen und Datteln verschlingt alle Ressourcen des Dorfes.

Bei Anna und Florians Hochzeitsschmaus – mit Lendenschurz und afrikanischer Kombo – ist plötzlich ein Schuss zu hören. Der Kaplan hat den Elefanten getötet.

Florians Rache-Akt bringt ihn an den Galgen. Anna trauert, der intrigante Großvater wird von den Geiern gefressen.
„Diese Art von Zaubertheater könnten sich Eugène Ionesco und Ferdinand Raimund gemeinsam ausgedacht haben.“
Ronald Pohl, Der Standard, 21. April 2018
„'Der Rüssel' ist irrwitziges Klimawandeltheater, ein erschreckend zeitgemäßes Gleichnis zum Zustand der Welt.“
Hermann Götz, Der Falter, 35/15
„Ein tolles Stück! Es ist der Höhepunkt seines Theaters mit absurder Tendenz, eine Mischung aus den ,Mikrodramen‘ und kleinen frühen Stücken.“
Alfred Kolleritsch, Herausgeber der Literaturzeitschrift Manuskripte
2D 6H
Schauspiel
UA: 20.04.2018, Akademietheater Wien