Der Herr Karl

Helmut Qualtinger / Carl Merz

Klassiker des österreichischen Theaters
„… naja, Österreich war immer unpolitisch ... i maan, mir san ja kane politischen Menschen …“
„Das sind Dinge, da wolln ma net dran rührn, da erinnert man sich nicht gern daran ... niemand in Österreich ...“

Carl Merz und Helmut Qualtinger portraitieren in ihrem legendären Monolog „Der Herr Karl“ den „ewigen Mitläufer“. Hinter der Fassade naiver Gemütlichkeit verbergen sich die Abgründe eines anpasslerischen Opportunisten. In knapp einer Stunde erzählt der Herr Karl sein Leben und damit auch einen Teil der Österreichischen Geschichte. Von der Arbeitslosigkeit der 20er Jahre, dem Ständestaat, dem Nationalsozialismus, dem Zweiten Weltkrieg und der Besatzungszeit.

Die Fernsehausstrahlung 1961 geriet zum Skandal und machte Helmut Qualtinger international bekannt. Das Stück traf den Nerv einer Gesellschaft, die es sich in ihrem Schweigen über die Vergangenheit und ihrer Opferrolle ebenso gemütlich gemacht hatte wie die Hauptfigur. Der Herr Karl trat der österreichischen Seele auf den Schlips und tut es noch heute.
„'Der Herr Karl' wollte einem Typus auf die Zehen treten, und ein ganzes Volk schreit 'Au!'“
Hans Weigel, Kronen-Zeitung, 2. Dezember 1961
„Kaum ist Gras über die Geschichte gewachsen , kommt so ein Kamel und frißt es wieder ab!“ (Ein zeitgenössischer Kritiker) „ein unerreichtes Meisterwerk“
Ulrich Weinzierl, Die Welt, 30. September 2011
„... den Herrn Karl gibt es überall ... Die Wahrheit ist leider, dass sich kleine Leute nicht viel Zivilcourage leisten können“
Helmut Qualtinger
„Die Satire ergibt sich aus den Formen der Sprache, dem Kontrast von Wiener Dialekt und phrasenhaftem Hochdeutsch, von ungewollten Versprechern, den verräterischen Zwischentönen und den eklatanten Widersprüchen von Gemeintem und Gesagtem. Nestroy, Ödön von Horváth und Karl Kraus sind die literarischen Vorfahren dieser Selbstanzeige.“
Kindlers Literaturlexikon
1H
Monolog, Schauspiel
Aufgenommen in den SPIEGEL-Literaturkanon 2024 – Die 100 besten Bücher der letzten 100 Jahre
UA: 12.11.1961, Kleines Theater im Konzerthaus, Wien