Die dritte Kolonne

Ein Stück für zwei Frauen und eine Gegensprechanlage

Franz Hohler

Anpassen oder Ausbrechen?
Eine junge Frau beginnt ihre Arbeit im Untergeschoss eines Medikamentengroßhandels und wird von einer älteren Kollegin eingearbeitet. Die Arbeit könnte wesentlich leichter von Maschinen erledigt werden, doch noch wurde der Betrieb nicht umgestellt. Es gibt hier unten nur künstliches Licht und künstliche Belüftung. Eine Gegensprechanlage ist der einzige Kontakt nach oben. „Am besten ist, nicht nachdenken und weiterarbeiten. Heute gibts gottseidank zu tun.“ Doch die junge Frau will sich nicht anpassen, nicht so werden wie ihre ältere Kollegin und all die Frauen vor ihr. Sie stellt unbequeme Fragen, eckt an und fordert den Apparat heraus – sie will wissen, was die Zahlenkolonnen auf den Bestellscheinen bedeuten und bringt damit das System ins Wanken. „Es werden zwei mögliche Wege gezeigt, die beide ein Extrem sind. Der eine ist die Anpassung, der andere ist das Ausbrechen.“ (Der Autor über das Stück)

Franz Hohler hat 1979 mit „Die dritte Kolonne“ ein skurriles und tragikomisches Kammerspiel für zwei Spielerinnen geschaffen. 1980 wurde das Stück zu den Mülheimer Theatertagen eingeladen und an Theatern in der Schweiz, Österreich und Deutschland gespielt.
„Hohler wäre nicht Hohler, wenn er nicht noch die finsterste Botschaft in witziger Verpackung darböte. Er kann auch als Dramatiker seine Meisterschaft des erkenntniszündenden höheren Blödsinns nicht verleugnen …“
Basler Zeitung
„Ein in jedem Sinne gelungenes Stück, das nie verbissen oder dogmatisch wird … Hohler erinnert hier einmal mehr an ein Kind und einen Narren, der verspielt die Wahrheit sagt; ein böser Charme beherrscht sein Stück.“
Berner Zeitung
„Franz Hohler beherrscht es, seine Anliegen, seine Sicht der Welt mit leichter Hand vorzutragen. Der warnende Zeigefinger und alles Traktathafte sind ihm fremd. Lachend nimmt der Zuschauer auf, was in ihm weitergären soll … Aber immer wieder erstirbt das Lachen. Die Beklemmung erwächst aus der ungeschminkten Offenheit und der Prägnanz der zuweilen an das Theater des Absurden gemahnenden Bilder.“
Vaterland
„… ihm gelingt, Komik und Ernst so zu verbinden, dass man sich einen Abend lang köstlich unterhält und trotzdem nachdenklich das Theater verlässt.“
Badener Tagblatt
2D
Schauspiel
Eingeladen zu den Mülheimer Theatertagen 1980
UA: 12.10.1979, Die Claque, Baden (Schweiz)
DEA: 15.10.1980, Theater Heidelberg
ÖEA: 17.12.1981, Die Komödianten im Künstlerhaus, Wien