Der Frauentourist

Monika Helfer

Monika Helfers poetischer Text über die Wege und Irrwege zum partnerschaftlichen Glück, über das Suchen und Finden, über das Kommen und Gehen.
„Das Schicksal ist etwas, worauf man im Nachhinein zurückblickt, und nichts, was man im Voraus weiß.“
Über Fernsehsendungen wie Einsame Herzen lernt er sie kennen: Sechsunddreißig Frauen in zehn Jahren. Da war die Wirtin, die Turnerin und viele andere. Er kommt und geht. Nach spätestens zwei Monaten wird es ihm zu eng. Hat Elfie, die als einsame Frau auf der Suche nach dem zweisamen Glück vor die Kamera tritt, mehr Chancen?

Das Stück erzählt mit Respekt und Liebe von einem Mann, der von einer Frau zur nächsten wandert, es nicht schafft, sich hinzugeben und trotzdem tief in seinem Herzen die Sehnsucht danach trägt. Das Stück erzählt auch von Frauen, die den Wunsch nach Zweisamkeit äußern und deren Schicksal von Fernsehmachern zum Gaudium des Publikums und für die Einschaltquoten ausgenutzt werden. Alle Figuren sind Wartende. Sie warten auf die richtige zweite Hälfte in ihrem Leben. Aber ist Mr. oder Mrs.Right die Erfüllung?
ausführliche Beschreibung
ER ist Ende fünfzig. Gabriel. Er ist allein mit seiner Mutter aufgewachsen, seinen Vater kennt er gar nicht. Seinen Beruf als Schlosser hat er selten ausgeübt. Doch dass er sich von den Frauen, die er beglückt, aushalten lässt, diesen Vorwurf weist er von sich. Gut, seine Hauptbeschäftigung sind nun einmal Frauen, einsame Frauen, auf der Suche nach Männern. Doch die Damen profitieren ja auch von ihm. Viele lernt er übers Fernsehen kennen, sechsunddreißig in zehn Jahren. In Sendungen wie Einsame Herzen, bei denen Menschen auf Partnersuche vorgestellt werden, trifft er auf interessante Kandidatinnen. Über die Jahre hat er sich eine umfassende Frauenkenntnis angeeignet. Mit der Wahrheit nimmt es vor der Kamera niemand so genau. Bei persönlichen Treffen offenbaren sich die nackten Tat-sachen. Freundet er sich mit einer Frau an, zieht er bald zu ihr. Seine eigene Wohnung, die er nach dem Tod der Mutter übernommen hat, behält er. Da war die Wirtin, für deren Tochter er sogar zum Ersatzvater wurde, ohne sexuelle Hintergedanken, denn junge Mädchen fielen nie in sein Beuteschema. Er lässt Rosa sogar heimlich in seiner leerstehenden Wohnung leben. Oder die Turnerin, die ihn sportlich überfordert hat. Oder die launische Esther, eine Umerzieherin. Nackt musste er neben ihrem Gummibaum Opernarien trällern. Und viele andere weibliche Charakterstudien. Selten dauert eine Beziehung länger als zwei Monate. Sobald es ihm zu eng wird, verschwindet er. Er kommt und geht, quartiert sich mal hier, mal dort ein. Ein Reisender von einer zur anderen, ein Frauentourist.

SIE ist auch Ende fünfzig. Elfie. Sie hat zwei erwachsene Töchter und lebt seit sieben Jahren allein. Sie entschließt sich, wenn auch zögerlich, bei Einsame Herzen mitzuwirken. Gabriel und Elfie lernen einander kennen. Es klappt auf Anhieb. Keiner stellt zu viele Fragen. Wenn sie an ihn denkt, nennt sie ihn Eisbär, wenn sie mit ihn redet, verwendet sie seinen Vornamen: Gabriel, wie der Erzengel. Zwei Monate geht das jetzt schon mit ihnen, die magische Beziehungsschwelle. Er ist zu ihr gezogen, wenn er auch nach wie vor seinen Koffer nicht ausgepackt hat. Liebevoll gleicht sie seine kleinen Fehler aus, nie kritisiert sie ihn. Wird es diesmal anhalten? Oder wird Gabriel wieder die Flucht ergreifen?
6D 1H
4-7 Personen, variabel
Schauspiel