Toulouse
Der erfolgreiche Fernsehmacher und Drehbuchautor lässt ein in Scheidung lebendes Ehepaar zum Endspiel antreten – eine spannende Ausgangssituation, pointierte Dialoge und Sager und interessante Twists. (APA)
Das Stück ist ein Ping-Pong-Spiel der schlagfertigen Worte. (Falter)
David Schalko zeigt ein Paar, das nach dem offiziellen Ende seiner Beziehung immer noch mit dem Feuer spielt.
„Als Frau endet man immer als Mutter. Selbst, wenn man keine Kinder bekommt.“
Nach 19 Jahren Ehe treffen sie sich kurz vor der Scheidung in einem Hotel an der französischen Küste. Silvia und Gustav. Seiner neuen Freundin, die bereits ein Kind von ihm erwartet, hat Gustav gesagt, er sei geschäftlich in Toulouse. Nichts scheint dem kleinen Abstecher in die Vergangenheit im Wege zu stehen. Da eilt eine Meldung über einen Terroranschlag durch die Medien. Das Konferenzzentrum in Toulouse, in dem Gustav sich angeblich aufhält, ist in die Luft gesprengt worden. Die Zahl der Opfer steigt stündlich. Und Gustav ist nicht der einzige, der Toulouse als Alibi für ein heimliches Date benutzt hat. David Schalkos Obsession d`amour. Der blinde Terror von außen steht dem zwischenmenschlichen Gewaltakt des Scheiterns zweier Menschen in der Liebe um nichts nach.
ausführliche Beschreibung
Ex-Mann und Ex-Frau haben eine Verabredung in einem Hotel an der französischen Küste. Hier hat einst alles angefangen, hier sind sie wieder. In dem Zimmer, in dem alles anders ist als beim letzten Mal, hässlicher. Silvia will etwas zu Ende bringen, Gustav ist gerade beim Neuanfang mit einer jüngeren Frau. Die ist bereits schwanger und weiß nichts von dem heimlichen Date. Er sei in Toulouse, geschäftlich, so glaubt sie.
Nichts scheint dem kleinen Abstecher in die Vergangenheit im Wege zu stehen. Sie spielen mit der Erinnerung und spüren doch, dass die Gegenwart keine Zukunft hat. Gustav ist dabei, die Firma an seinen Partner Moskowitz zu verkaufen, ein Schritt, der Silvia verletzt. Für sie hatte er das nicht getan, obwohl es ihr Wunsch war. Sie versucht, ihr ehemaliges Revier abzustecken, während er mit Gefühlen kokettiert, die er nicht mehr einlösen muss. Still und heimlich wahrt er die Grenzen der Emotionen, die des Körpers ist er sofort zu überschreiten bereit. Da eilt die Meldung über einen Terroranschlag durch die Medien, just in dem Toulouser Konferenzzentrum, in dem Gustav angeblich seinen Geschäften nachgeht.
Die Zahl der Toten steigt stündlich. Gustav beschließt, seiner Freundin, die bereits Verdacht schöpft, die Wahrheit zu sagen. Silvia will das verhindern. Eine kleine Lüge, er habe Glück gehabt, die Konferenz sei an einen anderen Ort verlegt worden, müsse sie ihm doch wert sein. Außerdem ist er nicht der einzige, der lügt. Die Situation wird komplizierter, als sich Moskowitz meldet, der ebenfalls unter den Opfern vermutet wird und die Konferenz in Toulouse aus ähnlichen Gründen wie Gustav als Alibi für einen Seitensprung in Nizza benutzt.
Keiner ist in Toulouse. Beide Männer, die für tot gehalten werden, leben. Der eine betrügt mit der Frau die Freundin, der andere mit der Freundin die Frau. Telefonisch beschließen sie eine gemeinsame Strategie: Sie seien in einem Hotel in der Nähe von Toulouse, der eine im Nebenzimmer des anderen. Doch Moskowitz hält sich nicht an die Abmachung. Da die Opfer des Attentats schwer zu identifizieren sind, will er die Gunst der Stunde nützen und untertauchen. Seine Frau, die noch kein Lebenszeichen von ihm hat, nimmt aber gleichzeitig mit Gustavs Freundin Kontakt auf. Und die versichert ihr, dass auch ihr Mann lebt. Jeder hat den anderen in der Hand. Doch Moskowitz liefert schließlich durch sein Geständnis und den Entschluss, seine Frau zu verlassen, Gustav ans Messer. Doch das ist nicht die einzige Bedrohung, der sich Gustav stellen muss. Denn Silvia schreitet zur finalen Abrechnung. Und die bringt Gustav, der eben dem Terror entkommen ist, in eine weit existentiellere Bedrängnis.
Eine Obsession d'amour. Geht das? Sich trennen, vom alten ins neue Leben? Der eine kennt den anderen mehr als ihm lieb ist. Man provoziert, spekuliert, spielt mit Hoffnungen ohne Zukunft, versichert sich seiner Einmaligkeit in der Vergangenheit und tanzt an der Schmerzgrenze der zerstörten Gefühle entlang. Hat man alles im Griff? Scheint so. Bis ein unerwartetes Ereignis von außen alles auf den
Kopf stellt und die letzten nackten Tatsachen des Scheiterns outet.
2018 erschien ein Fernsehfilm basierend auf dem Stück (Produktion: Hessischer Rundfunk, Regie: Michael Sturminger)
UA: 02.10.2018, Hessisches Staatstheater Wiesbaden
ÖEA: 11.04.2019, Theater in der Josefstadt, Wien