Der Fluch

Susanne Strnadl

Susanne Strnadl erzählt in zeitübergreifenden Szenen die dramatische Entführung eines Kindes.
„Die Zeiten, in denen ich heikel war, sind lang vorbei.“
Ein 8-jähriger Bub wird entführt. Jahre später erzählt die Mutter die Geschichte des spektakulären Verbrechens. Sie ist mittlerweile geschieden, ihr Sohn wurde erschossen. Aber nicht von den drei Entführern. Die hatte sie bei einem Appell im Fernsehen verflucht. Und auch sie sind in Folge auf unterschiedliche Weise umgekommen. Hat der Fluch gewirkt? Wie geht man mit Verlust um? Können Gedanken Ereignisse beeinflussen?
ausführliche Beschreibung
Ihre verstörende Rede im Fernsehen ist vielen noch in Erinnerung. Eva Herzog, geschiedene Büttenbuhl. Auch Martin Kubacek, dem Mitarbeiter der Statistik Austria ist der Name Büttenbuhl ein Begriff. Da war doch diese spektakuläre Entführung des damals achtjährigen Jungen, dessen Mutter die Kidnapper im Fernsehen verbal attackiert und verflucht hatte. Und zwar nachdem die Eltern bereits die Lösegeldforderung von 1 Mio. erfüllt, ihr Kind aber trotzdem nicht zurückbekommen hatten. Mittlerweile lebt Eva alleine. Nach der Scheidung ihres um einige Jahre älteren Ehemannes Daniel hat sie wieder ihren Mädchennamen angenommen und sich in ihrer Wohnung zurückgezogen. Sie empfängt Martin Kubacek und ist bereit, für die statistische Erhebung zur Verfügung zu stehen. Es bleibt ihr auch gar nichts anderes übrig, denn die zufällige Auswahl ist verpflichtend. Eva wirkt in sich gekehrt und verbittert. Eine Frau, die keinen besonderen Wert mehr auf ihr Äußeres zu legen scheint. Nach der Beantwortung der ersten Fragen stößt Martin unweigerlich auf das damalige Verbrechen. Eva ist bereit zu erzählen. Ihr Sohn wurde erschossen. Aber nicht von den drei Entführern.

Die Männer hatten den Buben nach dem Live-Auftritt der Mutter freigelassen, und außer den zu erwartenden Traumata, die solch ein Erlebnis nach sich zieht, haben sie ihm keine Gewalt angetan. Doch die Entführung zeigte ihre Folgen. Evas und Daniels Ehe litt an den Folgen des spektakulären Fernsehauftritts. Eva hatte in der festen Überzeugung, ihr Sohn sei bereits tot, einem momentanen Impuls nachgegeben und ihr Kind durch die explosive Rede in Gefahr gebracht. Ohne Rücksicht auf alle anderen Beteiligten - wie etwa Daniel, der sich beherrscht hatte - und nicht zuletzt auf das Leben ihres Sohnes. Der Fluch tat scheinbar seine Wirkung. In dreifacher Hinsicht. Innerhalb der nächsten drei Monate starben alle drei Entführer auf unterschiedliche Weise. Zufälle, nachgewiesener Maßen, doch selbst die Polizei begegnete Eva misstrauisch. Und die Medien stellten die Mutter als die größere Verbrecherin hin als die Entführer ihres Kindes. Zwischen Daniel und Eva wuchs die Entfremdung. Bei einer gemeinsamen Reise in die USA mit dem Vater ohne die Mutter wurde der Sohn als Teenager erschossen. Ein Querschläger hatte ihn bei einer Schießerei zweier Gangs getroffen.

Eva war gegen diese Reise. Langsam wächst auch in ihr der absurde Verdacht, den Tod ihres Sohnes durch Gedanken heraufbeschwört zu haben. Nach dem Unglück findet sie nicht mehr ins Leben zurück. Martin fasst Vertrauen zu dieser Frau und erzählt ihr seine Geschichte, die im Vergleich zu der von Eva banal ist. Von seiner Frau mit dem besten Freund betrogen und verlassen. Ist auch er ein Verwundeter... Kann man seinen Schmerz mit dem ihren vergleichen? Zwischen den beiden bislang fremden Menschen entspinnt sich ein leidenschaftlicher Dialog, der die Grenzen der Statistik weit überschreitet.

Susanne Strnadl erzählt in zeitübergreifenden Szenen die dramatische Entführung eines Kindes. Sie ist der Beginn einer rätselhaften Reihe von Unglücksfällen. Strnadl arbeitet - wie das Schicksal - mit dem Unerwarteten. Kann man Ereignisse durch Gedanken beeinflussen? Darf der eine über das Schmerzempfinden des anderen urteilen?