Sehr genau durchleuchtet Schnauber das von Klischees behaftete Ambiente einer Seelenpraxis.
Der Schriftsteller Schreiber unterzieht sich monatelangen, kostspieligen Sitzungen in der Praxis des bekannten Psychiaters Ostermann. Doch die Therapie bringt auch nach zwei Jahren keine Hilfe. Schreiber wird von Sitzung zu Sitzung, von Scheck zu Scheck, vertröstet, "Das Leben besteht aus Geduld", bekommt er von seinem Seelenarzt zu hören. "Für heute ist unsere Zeit um. Auf Wiedersehen!"
Cornelius Schnauber verarbeitet in seinem Einakter persönliche Erfahrungen auf der Seelencouch. Mit Humor und feinem Wortwitz durchleuchtet er in seinem Stück über die “Welt der Neurosen” die Irrwege der Psychoanalyse in der Nachfolge von Sigmund Freud. Doch die Geschichte des Menschen, der stattliche Honorare zahlt, um Hilfe zu bekommen bleibt immer glaubwürdig und berührend.
ausführliche Beschreibung
Geduldig geht Schreiber auf die immer wieder kehrenden Fragen nach seinen Träumen und unbewältigten Kindheitserlebnissen ein. Der Seelenarzt verordnet beliebig Psychopharmaka, deren Dosis er beim nächsten Treffen bereits wieder vergessen hat. Bei der pünktlichen Forderung nach seinem Honorar nach exakt 45 Minuten Zuhörens ist der Arzt allerdings sehr genau.
Das sogenannte ”Mosaik”, an welchem der Psychiater arbeitet, will sich auch nach zweijähriger kostspieliger Behandlung nicht zusammensetzen lassen. Auch die Tabletten gegen den Sextrieb bringen nicht die erhoffte Erleichterung. Der Patient resigniert zunehmend von Sitzung zu Sitzung, von Scheck zu Scheck. ”Das Leben besteht aus Geduld”, bekommt der verzweifelte Autor zu hören. ”Für heute ist unsere Zeit um. Wir sehen uns nächste Woche. Auf Wiedersehen!”
Cornelius Schnaubers Komödie Beim Psychiater beruht auf persönlichen Erfahrungen des Autors. Nach verschiedenen Schicksalsschlägen, die ihn dazu bewogen haben, therapeutische Hilfe zu suchen, beschreibt er seine persönliche Odyssee folgendermaßen: “Ich musste in den Sitzungen immer nur reden, mich ständig wiederholen, und der Psychiater war vergesslich, hilflos und schien oft gar nicht zuzuhören. Mir zu helfen vermochte er nicht. Schließlich verließ ich ihn und schrieb als Kompensation meine satirische Komödie “Beim Psychiater”, in
der ich einige zusätzliche, existentielle Probleme aufwerfe...”
Cornelius Schnauber entlarvt in seinem Stück über die „Welt der Neurosen“ mit feinem Wortwitz die Irrwege der Psychoanalyse in der Nachfolge von Sigmund Freud. Die bewusst gesetzten Details und Nuancen, welche die scheinbar immer wiederkehrenden Szenen voneinander unterscheiden und gleichzeitig vorantreiben, geben tiefe Einblicke in die Welt des Patienten, aber auch dessen Therapeuten. Geschickt und humorvoll überzeichnet er beinahe die Figuren, lässt sie aber niemals lächerlich wirken. Die Geschichte des Menschen, der stattliche Honorare zahlt, um therapeutische Hilfe zu bekommen, bleibt immer glaubwürdig und berührend.