Hoochie Coochie Man

Michael Köhlmeier

„Gypsy woman told my mother / Before I was born / You got a boy child’s comin’ / He’s gonna be a son of a gun / He gonna make pretty womens / Jump and shout / Then the world wanna know / What this all about“

So beginnt der Blues-Klassiker Hoochie Coochie Man des US-amerikanischen Musikers Willie Dixon. Der österreichische Schriftsteller Michael Köhlmeier erzählt nun die fiktive Lebensgeschichte jenes sagenumwobenen Hoochie Coochie Man von seiner Geburt bis ins hohe Alter. Er durchstreift dabei in derben, ungeschlachten Versen eines Monologes ein Leben zwischen Himmel und Hölle, ein Leben voll roher Gewalt, Freiheitsdrang und Sehnsucht nach Zärtlichkeit. Eine Außenseiter-Biographie, eine Mythobiographie im Stile eines Rabelais, Laurence Stern oder Panik Panzer.
ausführliche Beschreibung
Als Kind einer Hure und unzähliger Väter - Soldaten, Pfarrer, Politiker und feine Gentlemen - wird der Hoochie Coochie Man, bewaffnet mit Rotz und Tränen, Teil einer Kinderbande von Ausgestoßenen, der Alb - und heimliche Wunschtraum aller Kleinbürger. Eines Tages bringen sich die Kinder aus purer Langeweile gegenseitig um, nur der Hoochie Coochie Man übersteht das Massaker und bittet Gott, er möge ihn aus all dem Dreck erlösen. Doch der denkt gar nicht dran. Er macht sich einen Spaß draus, ihn weiter zu quälen, verprügelt ihn und raubt ihn aus.

In der Gosse angekommen, schlägt sich der Hoochie Coochie Man als Toy Boy durch und trifft eines Tages auf einen bunten Mann, der für ihn ein Lehrmeister abgrundtiefer Boshaftigkeit wird. Doch er muss erkennen, dass selbst der größte Verächter der Moral, der Joker, irgendwann zum Spießbürger mit Vorgarten, Grill und Kleinfamilie wird.

Nach einem Aufenthalt in einer Irrenanstalt versucht der Hoochie Coochie Man Zugang zu höheren Kreisen zu finden. Als Teil einer fahrenden Zirkustruppe gelingt es ihm sogar, dank eines dubiösen Verwandlungskünstlers, einem Genie des Nichts - zunächst als Messias gefeiert, später als Schuft verschrien - sogar zeitweise in den innersten Kreis einer Volkspartei vorzudringen.

Ein Reporter kürt ihn zum Sieger eines Wettbewerbs und gewährt ihm einen Wunsch. Der Hoochie Cochie Man möchte nichts anderes als ein Rabe am freien Himmel sein, mit stolzem Gefieder statt schwacher Menschenglieder. Doch schon bald wird ihm auch diese Existenz zur Qual und er bittet den Weltengeist, ihn wieder zum Menschen zu machen. Dieser stellt ihm eine Aufgabe: Er soll ein Mädchen aus den Fängen von Vergewaltigern befreien. Wenn er es schafft, das Kind zum Lachen zu bringen, sei er erlöst.

Der Rabe hackt den Verbrechern die Augen aus und nimmt das Mädchen in seine Obhut. Zum ersten Mal in seinem Leben empfindet er Zuneigung zu einem anderen Wesen. Er schenkt dem Mädchen eine Schachtel Streichhölzer, mit der das Mädchen alles in Asche legt, was ihr von nun an im Wege steht. Als sie einen Brand in der Schule aus-löst, ist der Bann gelöst - das Mädchen habe, so wird ihm berichtet, zum ersten Mal lauthals gelacht.

Nun, im Jetzt angekommen, blickt der Hoochie Coochie Man zurück auf sein bewegtes Leben. Der Rächer der Lebensmüden und Vergelter der Hoffnungslosen, ein alter weißer Mann, immer noch vor sich hin schimpfend, lauter als je zuvor, da mittlerweile taub und blind. Regelmäßig telefoniert er mit seinem Mädchen, das brandstiftend durch die Lande zieht. Gelegentlich treffen sie sich noch und erzählen grobe Witze, über die sie schallend in die Welt hinaus lachen.

Der Hoochie Coochie Man ist eine sagenumwobene Figur, geschaffen vom US-amerikanischen Blues-Musiker Willie Dixon. Der österreichische Schriftsteller Michael Köhlmeier erzählt nun seine fiktive Lebensgeschichte, von seiner Geburt bis ins hohe Alter. Er durchstreift dabei in derben, ungeschlachten Versen eines Monologes ein Leben zwischen Himmel und Hölle, ein Leben voll roher Gewalt, Freiheitsdrang und Sehnsucht nach Zärtlichkeit. Eine Außenseiter-Biographie, eine Mythobiogra-phie im Stile eines Rabelais, Laurence Stern oder Panik Panzer.
Schauspiel
UA: 16.10.2024, Theater Rabenhof, Wien