Elektra und der Bär

Petra Maria Kraxner

Sophokles' „Elektra“ als gegenwärtiges Medienspektakel
„Kommt es Ihnen vor, dass auch das Recht selbst Schaden bringt?“
Petra M. Kraxners „Elektra und der Bär“ ist eine Fortschreibung von Sophokles‘ Elektra unter Verwendung von Motiven aus dem Mordfall Hilber, der 2012/13 in Österreich und Deutschland für Schlagzeilen sorgte. Dabei deutet Kraxner Motive von Wut, Rache und Ohnmacht im Kontext digitaler Kommunikationswelten.
ausführliche Beschreibung
Der mit Peilsender ausgestattete Braunbär M13 steht unter Verdacht, einen Brand gestiftet zu haben. Als die Einsatzkräfte ausrücken, ist kein Bär in Sicht, aber: eine männliche Leiche.

Der Tote – Agamemnon P. – ein Südtiroler Feinkosthändler, wohnhaft in Süddeutschland – sollte im Tiroler Gstalda Tobel – Neigungsgrad 45 Grad! – entsorgt werden. Doch ein Strauch hielt ihn auf. Die Obduktion ergibt, dass es sich um ein Gewaltdelikt handelt…

Die Tochter Elektra C. beschuldigt ihre Mutter Klytaimnestra T. gemeinsam mit deren Geliebten, dem Schreinermeister Aigisthos C., ihren Vater ermordet zu haben. Außer sich vor Trauer und Wut, schreit sie nach Vergeltung und wird in eine allgemein-psychiatrische Klinik eingewiesen. In Gesprächen mit dem diensthabenden Psychiater Orestes versucht Elektra, ihre Emotionen in den Griff zu bekommen und neue Zukunftsperspektiven aufzubauen, wird aber immer wieder überwältigt und von Rachephantasien heimgesucht.

Immer noch in psychiatrischer Betreuung, erwägt Elektra, die konkreten Mordabsichten an ihrer Mutter und deren Geliebten aufzugeben und sich eine Perspektive zu schaffen, indem sie selbst den Feinkosthandel ihres Vaters weiterführt.

Ein weiteres Verhör bringt Elektra so in Rage, dass sie sich kurzerhand auf den Weg zum neuen Wohnort von Klytaimnestra T. und Aigisthos C. macht. Vor dem Haus steht ein Hackstock, darin steckt eine Axt …

Der ‚Mordfall Hilber‘ stach nicht nur durch die besondere Niedertracht der Täter hervor, auch deren unbedachte Mediennutzung – sie hinterließen über 600 Seiten Chat-Material – und die Verwicklung des Braunbärs in die Aufdeckung der Tat riefen die Boulevard-Presse auf den Plan … Wie weit soll und kann man einen solchen Fall ausschlachten?, fragt Petra M. Kraxner in ihrer modernen Elektra-Fassung.
3D 1H
Schauspiel
Siegerstück des Wettbewerbs ANTIKE.frauen.HEUTE (Westbahntheater / Theater praesent) 2015
UA: 13.11.2015, Freies Theater Innsbruck, Regie: Alexander Kratzer