Eindrucksvoll und ohne jeglichen Pathos setzt Dorothea Zeemann Menschen in einer Nervenklinik mit ihren Befürchtungen und Hoffnungen kurz vor dem „Anschluss“ in Szene.
Wien, kurz vor dem „Anschluss“ an das Deutsche Reich: In einer Nervenklinik treffen Menschen aus verschiedenen Gesellschaftsschichten und Generationen, aus verschiedener Herkunft und Gesinnung aufeinander. Sie alle sehen sich völlig unvorbereitet mit einer neuen Zeit konfrontiert, einer Zeit, in der alles mörderisch aus den Fugen gerät.
1959 erschien „Das Rapportbuch“ der bis dato noch weitgehend unbekannten Autorin Dorothea Zeemann. Das Werk ist beeinflusst von ihrer Auseinandersetzung mit Heimito von Doderer, zeigt aber bereits die Eigenständigkeit Zeemanns, ihren schonungslosen Blick auf Sexualität, Gesellschaft und zwischenmenschliche Abgründe. 1999 erschien eine Taschenbuchaugabe im Suhrkamp Verlag, 2014 hat Alexander Kluy den Roman neu in der Edition Atelier herausgegeben und kommentiert.
„Mit Witz und bissigem Blick inszeniert Dorothea Zeemann einen Reigen quer durch die fidele Wiener Gesellschaft am Abgrund.“ (Franz Haas, NZZ)
„Die Neuauflage des Rapportbuchs, die Alexander Kluy herausgegeben und einleuchtend kommentiert hat, ist eine Einladung, Dorothea Zeemann neu zu entdecken … Sie wird zur eigenwilligen Chronistin einer Zeit, die andernorts oft klischiert gezeichnet wurde.“ (Susanne Schaber, Ö1)
„Dorothea Zemann wäre des dämonischen Doderers, ihres damaligen Liebhabers, nicht würdig, wären ihre Giftspritzen nicht auch sprachlicher Natur und somit wahnsinnig witzig. Die Neuauflage des galligen Rapportbuchs im Zeitalter der Neurosen einerseits und des großen Kriegsgedenkens andererseits schafft eine passende Therapie für Nostalgiker.“ (Martin Pesl)
„Ein österreichisches Panorama der Jahre 1937/38. Die stilistischen Mittel bilden die Zeit ab, die expressionistisch anmutenden Morphiumräusche der Oberin, an den Dialogen lässt sich bereits Zeemanns ganz eigener Stil erkennen. Die Kritik sehr positiv. Warum dieses Buch keinen fixen Platz in der österreichischen literarischen Geschichtsschreibung bekommen hat, erschließt sich mir nicht.“ (Laura Freudenthaler, Der Standard)