Heldentod

Helmut Qualtinger

Ein Flüchtling wird zum Held
„Gut, es ist ja Ihr Held und nicht meiner!“
n einem Redaktionszimmer sitzt ein blasser, junger DDR-Flüchtling, schweigsam und unsicher, während der Redakteur pausenlos telefoniert. Anstatt seine Geschichte zu erzählen, wird er zum Objekt einer medialen Inszenierung: Der Journalist dichtet Heldentum, Pathos und Schlagzeilen, ohne dass der Betroffene viel sagt – außer ein paar Gesten und Andeutungen.

Aus der schlichten Flucht über die ungarische Grenze wird ein Monument: vom „stummen Widerstand eines ganzen Volkes“ bis zur heroischen Ikone, die Ministerpräsidenten empfangen. Doch bald verliert der „Held“ seinen Wert: Ein Erdbeben am Himalaya verdrängt ihn von den Titelseiten, und die Redaktion beschließt, ihn fallen zu lassen.