Epilog zu "Geschichten aus dem Wienerwald"

Helmut Qualtinger

Horváths Figuren im Spiegel der NS-Zeit
„I glaub‘, den Franz Joseph hat das viele Rindfleisch verdorben.“
In einer stillen Straße im 8. Wiener Bezirk, während des Zweiten Weltkriegs, begegnen wir Figuren aus Horváths Stück erneut – Oskar, der Rittmeister, der Zauberkönig, Marianne, Alfred und Erich.

Die Idylle von einst ist zerstört: Das Puppengeschäft wurde zum Schuhgeschäft, die Fleischhauerei trägt das Schild „Arisches Geschäft“, die Musik vom Balkon spielt Marschlieder. In Gesprächen über Begräbnisse, Krankheiten, Lebensmittel, Kriegserlebnisse und kleine Geschäfte zeigt sich die Anpassung der Figuren an den Nationalsozialismus.

Oskar und die anderen arrangieren sich mit der neuen Zeit, voller Opportunismus, Selbsttäuschung und kleinbürgerlicher Gier. Horváths gesellschaftskritische Typen erscheinen hier weitergedacht: Mitläufer, die zwischen banalem Alltag und politischen Katastrophen weitermachen, als wäre nichts.