Ein DDR-Bürger im Disneyland

Helmut Qualtinger

Die Unmöglichkeit einer gemeinsamen Wirklichkeit
Ein Amerikaner und ein DDR-Bürger sitzen im Disneyland, essen Hot Dogs und kommentieren das „Paradies der Unterhaltung“. Während der Amerikaner von Disney-Figuren, Paraden und Nationalhelden schwärmt, interpretiert der Ostdeutsche alles durch die Linse des Sozialismus. Donald Duck wird zur Metapher für Industrie, Schneewittchen zur ausgebeuteten Arbeiterin, die sieben Zwerge zu Uranminenarbeitern.

In grotesken Missverständnissen prallen Weltbilder aufeinander: der Konsum-Optimismus des Westens und die ideologische Härte des Ostens. Selbst Figuren wie Pinocchio oder die „drei kleinen Schweinchen“ werden politisch gedeutet. Am Ende fahren beide in die „Zukunftswelt“ – und der DDR-Bürger ist überzeugt, dass sie in Kuba landen werden.