Der Burschi und sein Publikum

Helmut Qualtinger

Rampenlicht ohne Applaus
Ein alternder Schauspieler spricht in seiner Wohnung zu seinem Papagei. In Erinnerungen feiert er sein Publikum, seine angeblichen Erfolge, seine „Einzigartigkeit“ – vom Gastspiel in Bad Gleichenberg bis zu Silvestereinlagen mitten in die Fledermaus.

Zwischen Selbstlob, Schmäh und Trunkenheit spürt man die Einsamkeit hinter der Maske: Kollegen seien neidisch, Frauen zu anhänglich, nur das Publikum habe ihn wirklich geliebt. Der Schauspieler schwankt zwischen Größenwahn und Selbstmitleid, kokettiert mit Krankheiten und probt den nächsten Auftritt – bis er am Ende zusammenbricht.

Der Papagei, sein einziger Zuhörer, plappert die letzten Worte nach: „Der Burschi ist der Beste, die Bestie“ – grotesk, bitter und tragikomisch zugleich.
1H
Ein Papagei
Sketche
UA: 17.05.1981, Wiener Schauspielhaus, Regie: Helmut Qualtinger