Der letzte Revolutionär

Helmut Qualtinger

Ein Revolutionär ohne Publikum
„Seid mir nicht böse, wenn ich mich heute kurz fasse."
Ein Mann mit ungarischem Akzent sitzt im Kaffeehaus und redet ununterbrochen auf unsichtbare Anwesende ein. Er springt von Thema zu Thema: Freunde aus Favoriten, Essen, Antiquariate, Kalender mit Zaubersprüchen, Ausstellungen, Literatur, Politik, Philosophie. Alles wirkt belanglos, skurril und gleichzeitig selbstwichtig.

Zwischen Anekdoten über Blutwurst, Grillparzer, Gasproben und Kunst im Fischamend klingt auch seine eigene Vergangenheit als Flüchtling an – er sei verhaftet worden, weil er „zu viel geredet“ habe. Doch anstatt wirklich revolutionär zu wirken, verliert er sich im banalen Gerede.

Am Ende sitzt er im Dunkeln, zetert noch über die Dummheit anderer – und bleibt eine tragikomische Figur, die mit ihrer Redseligkeit jede Bedeutung verspielt.