Der Modelldeutsche

Helmut Qualtinger

Selbstbild mit Abgründen
Ein Mann tritt beiläufig auf und beginnt einen endlosen Monolog über Deutschland, Politik, Reisen, Familie und Moral. Zwischen scheinbar banalen Beobachtungen über U-Bahn-Kälte, Fußball, Urlaub in Israel oder Käsemessen tauchen rassistische Bemerkungen, NS-Nostalgie, sexuelle Obsessionen und groteske Alltagsweisheiten auf.

Er schwadroniert über Schwule, Juden, Kirchen, Autobahnen, Einfamilienhäuser und Kriminalität – stets im Tonfall des selbstzufriedenen Kleinbürgers, der sich für aufgeklärt und weltoffen hält, dabei aber seine Ressentiments und Abgründe offenbart.

Am Ende verliert sich seine Rede in endlosen Appellen ans „Denken“, bleibt aber leer und bedeutungslos – ein Spiegelbild einer Gesellschaft, die Vergangenheit und Gegenwart im Geschwätz verschwimmen lässt.