Der Verweser

Helmut Qualtinger

Das Weiterleben alter Monarchie-Fantasien
In einem leeren Separee eines Gürtelcafés sitzt ein älterer Mann mit einer Flasche Sekt und redet unaufhörlich zu einer unsichtbaren Begleiterin. Zwischen Erinnerungen an die Hofburg, Opernbälle, Theaterbesuche und Fiakerfahrten schweift er ab in politische Fantasien über Kaiser, Monarchie, Republik und Europa.

Sein Monolog mischt nostalgische Erinnerungen mit grotesken Geschichtsauslegungen, Ressentiments gegen Ungarn, Böhmen und Russen, und absurde Zukunftsvisionen wie eine Fronleichnamsprozession am Roten Platz. Immer wieder gleitet er vom Banalen ins Pathetische, vom Witzigen ins Bittere.

Am Ende verabschiedet er sich, legt Geld auf den Tisch und kündigt ein Treffen in der Kapuzinergruft „mit dem Herzog von Reichstatt“ an – eine Mischung aus Größenwahn, Einsamkeit und melancholischer Selbstinszenierung.