Ortsübliche Ansprache

Helmut Qualtinger

Die Qual des Redens – und das tödliche Schweigen.
„Es ist ja kein Verbrechen, wenn man mit jemandem reden will."
In einem Kaffeehaus sitzt ein Mann und liest Zeitung. Am Nebentisch beginnt ein anderer Mann, ihn unaufhörlich anzusprechen. Aus scheinbar höflichen und belanglosen Floskeln entwickelt sich ein endloser Redeschwall: über Kontakt, Einsamkeit, Höflichkeit, Misstrauen und Alltägliches.

Der Angesprochene reagiert jedoch nie. Während der zweite Mann sich zunehmend ereifert und zwischen Selbstrechtfertigung, Vorwürfen und Beschwichtigungen schwankt, bleibt der erste stumm – bis er am Ende regungslos zusammensinkt.