Die Fledermaus

Operette für vier Schauspieler*innen und zwei DJ*anes

Anita Augustin / Richard Genée / Karl Haffner / Johann Strauss (Sohn)

Johann Strauss' „Fledermaus“ auf Speed
„Wir dürfen alles. Nur beim Spaßverderben ist Schluss mit lustig!“
Langeweile kann tödlich sein, vor allem, wenn man in einer Welt lebt, in der es laut Gesetz verboten ist, sich zu langweilen. Die Strafen sind hart: Wer auf einer Party beim Gähnen erwischt wird, wandert ins Gefängnis. Wer anderen den Spaß verdirbt, wandert in die Todeszelle. Die Figuren aus „Die Fledermaus“ leben in einer solchen Welt. Es ist die Welt der Operette, beherrscht von den Zwängen des Amüsements. Deswegen wird auch ständig gelacht, gesungen und gefeiert. Eine Party jagt die nächste, ein Clubbing das andere, alle stehen kurz vorm Spaß-Burnout und fragen sich nur das eine: Werden wir uns je wieder stressfrei amüsieren? Die Antwort: Ja! Aber nur mit Einladung – einer Einladung zur ultimativen Party, zum Highlight der Saison, ausgerichtet von Prinz Orlofsky. Seine Partys sind legendär: die geilsten Drogen, die coolste Mucke, der schärfste Sex. Und immer hat der Gastgeber noch eine kleine Überraschung parat, mit der keiner gerechnet hat, nicht in seinen schlimmsten Albträumen …
ausführliche Beschreibung
Langeweile kann tödlich sein, vor allem, wenn man in einer Welt lebt, in der es laut Gesetz verboten ist, sich zu langweilen. Die Strafen sind hart: Wer auf einer Party beim Gähnen erwischt wird, wandert ins Gefängnis. Wer anderen den Spaß verdirbt, wandert in die Todeszelle. Die Figuren aus „Die Fledermaus“ leben in einer solchen Welt. Es ist die Welt der Operette, beherrscht von den Zwängen des Amüsements. Deswegen wird auch ständig gelacht, gesungen und gefeiert. Eine Party jagt die nächste, ein Clubbing das andere, alle stehen kurz vorm Spaß-Burnout und fragen sich nur das eine: Werden wir uns je wieder stressfrei amüsieren? Die Antwort: Ja! Aber nur mit Einladung – einer Einladung zur ultimativen Party, zum Highlight der Saison, ausgerichtet von Prinz Orlofsky. Seine Partys sind legendär: die geilsten Drogen, die coolste Mucke, der schärfste Sex. Und immer hat der Gastgeber noch eine kleine Überraschung parat, mit der keiner gerechnet hat, nicht in seinen schlimmsten Albträumen …

Ihr späterer Erfolg als Silvesterstück wurde der „Fledermaus“ nicht bei der Premiere gesungen. 1874 war sie ein Flop, das Publikum ratlos. Ein Jahr zuvor, Wien, 1873: Im Mai kollabiert die Börse, ein Schwarzer Freitag treibt viele rechtschaffene Männer in den Selbstmord. Gerade waren sie noch reich, jetzt müssen sie sogar den Strick auf Pump kaufen, in den sie ihre Hälse stecken. Die erste Wiener Weltausstellung auf dem Pratergelände wird eröffnet: ein hochkarätiger Erlebnispark mit hochkarätigen Investoren. Beim Fallen der letzten Herbstblätter schließen sich die Pforten zur Weltausstellung und sie geht als finanzielles Debakel in die Geschichte ein. Keine Frage: Wir haben es in der „Fledermaus“ mit einer Ökonomie der Verausgabung zu tun. Die Exzesse der Verstellung, das Anwachsen der Hinterlist, die ständig überhitzte erotische Begehrlichkeit – man fragt sich schon im ersten Akt, wie lange die Figuren das eigentlich noch durchhalten. Die Antwort: so lange es geht, am besten bis zum Ende des Stücks, im Idealfall für immer. Wenn die Figuren am Ende des letzten Aktes in hysterischer Vorfreude auf die nächste Party die nächste Party besingen, dann machen sie keine Hehl daraus, was der eigentliche Motor ihrer unermüdlichen Spaßarbeit ist: Angst.
„Das Stück spielt in einer gesetzlich verordneten Spaßgesellschaft, in welcher ein Gähnen mit Gefängnis und ein Spaßverderber mit dem Tod bestraft wird. Klar, wird da die selbstverliebte, selbstdarstellerische Party- und Street-Parade-Szene der achtziger Jahre bis heute persifliert. Augustin und Knecht machen aus der 'Fledermaus' ein rasantes Stück über wechselnde Identitäten.“
Alfred Zimmerlin, NZZ, 9. März 2012
„Die permanente Überlagerung zweier Epochen samt jeweiligen Sprachmustern, Umgangsformen, Normen und Werten gerinnt … zu einem Vexierbild, das bis zum – brutalen – Schluss seine Zweideutigkeiten lustvoll ausspielt. Aufgesetzt muntere Bühnenposen stehen neben todmüden Gesten einer 'Fuck off'-Generation. Witz und nacktes Entsetzen prallen dabei derart radikal aufeinander, dass dem Premierenpublikum das Lachen immer wieder im Halse steckenblieb.“
Carsten Michels, Südostschweiz, 9. März 2012
4 Darst.
Mehrfachbesetzungen + 2 DJ*anes
Operette
UA: 7. März 2012, Theater Chur, Regie: Jonas Knecht
Frei zur: ÖEA