Hirntod

Egon A. Prantl

Ein Philosoph, der Gewalt stets nur als Theorie kannte, greift zur Waffe – und verliert sich in der Realität von Blut und Tod. Egon Prantls Stück stellt die Frage, ob Denken schützt – oder ob Gewalt am Ende immer stärker ist.
ausführliche Beschreibung
Egon Prantl stellt einen Mann in den Mittelpunkt, der als Philosoph und Theoretiker der Gewalt zeitlebens Abstand von ihrer grausamen Realität halten konnte. Für ihn existierte Gewalt nur als Begriff, als Gedankenkonstrukt, als Fernsehbild. Doch die ständige Konfrontation mit Bildern von Blut, Schmerz und Tod beginnt ihn zu verstören, zu beunruhigen - bis er sich dem Thema persönlich stellen muss. Erkenntnis und Theorie erweisen sich als schwache Waffen.

In einem heruntergekommenen Lokal trifft er auf Hubsl, einen Mann, der Gewalt kennt und weiß, dass sie die Welt regiert – der aber selbst nicht länger Teil davon sein will. Krista, die Kellnerin, hält noch an der naiven Vorstellung von „Zorro, dem Rächer“ fest. Hubsl dagegen hat alles gesehen: Blut, Angst, Schmerz, Tod. Selbst der sinnlose Mord an einem jungen Paar vor wenigen Tagen lässt ihn ungerührt.

Der Philosoph, den man „Bürger“ nennt, gerät ins Wanken. Zum ersten Mal verlangt er nach einer Waffe: „Ohne Waffe bin ich nichts in diesem Land.“ Nach Jahrzehnten des Denkens, nach Jahren der Theorie explodiert sein Grundgedanke: Nicht Waffen, sondern der Mensch mit seinem Denken sei der wahre Täter. Hubsl widerspricht: Die Waffe sei die Verführerin. Der Bürger aber kauft sich zum ersten Mal die Möglichkeit, selbst zu töten.

Als Tom und Jerry, zwei gewissenlose Gewalttäter, Krista vergewaltigen und den Bürger provozieren, eskaliert die Situation. Sie halten ihn für schwach – ein tödlicher Irrtum. Bürger erschießt sie beide.

Zurück in seiner Wohnung gelingt der Rückzug in die schützende Distanz des Elfenbeinturms nicht mehr. Theorie und Abstraktion tragen nicht länger. Am Ende bleibt nur eine letzte Entscheidung: Der Bürger setzt die Waffe an seine eigene Schläfe.
1H
Monolog
UA: 07.12.2000, Schauspielhaus, Wien