Die Sonne hat Kirschen im Mund

Peter Limburg

„Wer anders ist, muss es aushalten können.“
Peter Limburg hat ein liebenswertes Quartett unter einem Dach vereint. Der Windelvertreter Marty Schnitzelbaum, der unnahbare Gregor Sembrowski und die Modefotografin Kathi, die frischen Wind ins Haus bringt. Sie haben alle schon was abbekommen vom Schicksal und machen aus den angesammelten Enttäuschungen in ihrem Leben kein Hehl. Doch Limburg lässt seine Gestrauchelten unter dem Prinzip Hoffnung besseren Zeiten entgegengehen. Wenn auch mit kleinen, vorsichtigen Schritten in Richtung Glück.
ausführliche Beschreibung
In Erika Hupfingers Mietpension haben sich zwei vom Leben frustrierte Herren einquartiert. Beide sind Außenseiter, die nicht zufällig in dieser Wohnung gelandet sind, deren Wände einiges zu erzählen haben: Der gutmütige Marty Schnitzelbaum, der als Vertreter für Windeln nicht gerade ein Verkaufsgenie ist, und der unnahbare Gregor Sembrowski, der seine Gehbehinderung durch die Erkrankung an multipler Sklerose provokativ zur Schau stellt und dem alltäglichen Leben mit Zynismus begegnet. Und Erika, die alleinstehende Vermieterin, die ihre Gefühle und Hoffnungen im Geschäftsgetue der Wohnungsverwaltung ertränkt. Natürlich schlägt hinter ihrem brüsken Verhalten ein sehnsüchtiges Herz, das so manche Enttäuschung nicht verwunden hat. Eigentlich wollte Erika ja tanzen. Eine kleine Statue von Rudolf Nurejew ist das Zeugnis ihrer unterdrückten Wünsche. Sie haben alle ihre Träume, die beinahe schon an den Nagel gehängt wurden. Man hat sich halt eingerichtet, man lebt und leidet. War‘s das?

Als die Mode-Fotografin Kathi von Oxner einzieht, kommt Sonnenschein ins Haus. Ihre Offenheit bringt vor allem Gregor in innere Konflikte, denn ganz so unwichtig, wie er tut, ist ihm die junge Frau nicht. Kathi lockt ihn aus der Reserve und lässt niemanden ahnen, dass auch ihr nicht immer zum Lachen ist. Mit Tricks holt sie Gregor aus seiner selbstgewählten Isolation. Und obwohl sich Gregor anfangs hartnäckig gegen ihren Apell, das Leben wieder anzupacken, sträubt, kann er eine gewisse Veränderung in seinem gebeutelten Seelenleben nicht leugnen.

Aber auch der in der Liebe unbeholfene Marty betritt zögernd das Terrain der Gefühle. Als Erika mit ihrer Jugendliebe nach Paris fährt, stellt er fest, dass ihm das gar nicht recht ist. Und gerade Gregor führt den „koscheren“ Windelvertreter, der vom Freeclimbing träumt, auf die Fährte, dass ihm die resolute Vermieterin vielleicht gar gefallen und er mit ihr ungeahnte Höhen erklimmen könnte. Kommt Erika zurück? Finden sich da bei aller Angst vor Verletzungen zwei Paare? Ja, die Liebe bricht sich Bahn, wenn auch nicht immer auf stillen, sondern auf steilen Wegen. Etwa auf Dächern, von denen man stürzen kann. Warum? Weil just dort roter Mohn blüht, der zu ungeahnten Taten animiert. Rot wie die Sonne, als hätte sie Kirschen im Mund...