Doktor Faustus lichterloh

(Dr. Faustus Lights the Lights)

Gertrude Stein

Einer der wichtigsten Werke der literarischen Avantgarde des 20. Jahrhundert in deutscher Übersetzung
Doktor Faustus ist verärgert über das elektrische Licht einer Glühbirne, die der Teufel für ihn erfunden hat. Hätte Doktor Faustus ein paar Stunden mehr gehabt, wie er wort- und klangreich versichert, er selbst hätte weißes elektrisches Tageslicht erfunden. So aber ist er vom Teufel über das Ohr gehauen worden und überdies seine Seele los, falls er je eine hatte. Den Teufel schickt er in die Hölle und erblickt im elektrischen Licht eine wundersame Gestalt, eine Frau oder zwei, Marguerite Ida und Helena Annabel. Ein zwiespältiges Wesen jedenfalls, das von einer Viper gebissen wird.

Gertrude Steins „Doktor Faustus lichterloh“ (Dr. Faustus Lights the Lights) von 1938 zählt zu ihren bekanntesten Bühnenwerken und zu den wichtigsten Werken der literarischen Avantgarde im 20. Jahrhundert. Der Text ist ein Sprachspiel mit Motiven aus Faust-Mythos, Schöpfungsgeschichte, Kunst-Kalauern und Wortklängen. Die Übersetzung von Rüdiger von Schmeidel bildete die Grundlage der deutschsprachigen Erstaufführung von George Tabori 1983 (Musik: Stanley Walden) – der ersten deutschsprachigen Gertrude-Stein-Aufführung überhaupt – und einer Hörspielfassung von 1985 mit Musik der deutschen Elektropioniere Klaus Schulze (Tangerine Dream) und Rainer Bloß und u. a. Marianne Hoppe, Hans Korte, Peer Augustinski als Sprecher:innen.
„Das Subversivste an der Stein ist ihr Angebot zur Freiheit …“
George Tabori
„[Dieser Text] spricht nur durch sich allein und ist, über 10 Jahre bevor Ionesco seine ‚Kahle Sängerin' verfasste, niemand und nichts verwandt als nur den anderen Texten seiner Erfinderin.“
Peter von Becker
„‚So schnell wie der Gedanke des Menschen.' … Etwas von dieser elektrischen Geschwindigkeit des Denkens beschwören die schamanenhaften Texte der Stein, dieser großen Mutter der modernen Literatur.“
Rüdiger von Schmeidel
Besetzung variabel
Schauspiel
UA: 02.12.1951, Cherry Lane Theatre, New York, Regie: Judith Malina
DEA: 04.06.1983, Schauspielhaus Köln, Regie: George Tabori
Übersetzung aus dem Englischen:
Rüdiger von Schmeidel