Der Mythos vom Minotaurus als Verwirrspiel über Kunst und Liebe, Nähe und Fremdsein
„Hast du dir nie gewünscht dich ganz zu vergessen?“
Das Theater hat ja auch etwas von einem Labyrinth. Der Mythos vom Minotaurus, für den Daidalos, der Ahnherr aller Architekten, ein Labyrinth baut, dient Dimitre Dinev als Vorlage zu einem Verwirrspiel über Kunst und Liebe, Nähe und Fremdsein. Der Richter erteilt dem Meister den Auftrag, ein Haus für seinen Sohn zu bauen, in dem er frei sein kann. Doch das Haus soll keinen Ausgang haben.
ausführliche Beschreibung
Der Richter erteilt dem Meister, einem Arbeitsmigranten, den Auftrag, ein Haus für seinen Sohn zu bauen, der in seinem Zimmer abgeschirmt von der Welt leben muss. Die Mauern des neuen Hauses sollen Sicherheit bieten und Freiheit vortäuschen. Der Meister, der als größter Künstler seiner Zeit gilt, war vor vielen Jahren beim Richter tätig. Jetzt kehrt er mit seinem Sohn Iko zum Anwesen des Richters zurück. Dort lebt der Richter umgeben von seinen Frauen: der Hausherrin und Ehefrau, der Erzieherin Wera, die er seit Jahren liebt, und den gemeinsamen Töchter Ada, Phädi und Xeni, die ihren Bruder nie zu Gesicht bekommen.
Der Bau des Hauses ohne Ausgang schreitet voran. Illusionen von Freiheit und Schönheit sind Bausteine des Labyrinths, hinter dessen Mauern Träume versteckt werden. Iko und Xeni kommen einander näher. Ikos Vater und Xenis Mutter haben ihre Liebesgeschichte schon vor Jahren gelebt. Im Schutz der Nacht kommt es auf der Baustelle zu drei parallelen Liebesakten mit shakespearehaften Verwirrungen und Verwechslungen: Wera und der Richter, Iko und Phädi, die Hausherrin und der Meister, die nachholen wollen, was nicht mehr möglich ist.
Der Meister ahnt, dass der Sohn des Richters sein eigener sein könnte, ein Spross der vergangenen Liebe zur Hausherrin. Er besucht ihn und findet einen gebildeten jungen Mann vor, gefesselt und maskiert. Zwei Einbrecher, Thes und Pero, dringen in das Haus. Ada, offen für die Liebe, erkürt Thes zu ihrem Verlobten, der sich als enfant terrible der Gesellschaft in Szene setzt. Spontan organisiert man ein Fest, das so manches Geheimnis lüftet …
Der Mythos vom Minotauros, dem furchterregenden Zwitter aus Mensch und Stier, für den der Ahnherr aller Architekten, Daidalos, im Auftrag des sagenhaften Königs Minos ein Labyrinth baut, aus dem schließlich er selbst und sein Sohn Ikaros nur fliegend entkommen, dient Dimitré Dinev als Vorlage zu einem Verwirrspiel über Kunst und Liebe, Nähe und Fremdsein.
„Dinev, dieser begnadete Erzähler, hat mit seinem ersten Stück für ein großes Haus einen echten Treffer gelandet.“
Die Presse, 2007