Die Päpstin

(Pope Joan)

Donna Woolfolk Cross

Die Geschichte einer für ihre Zeit ungewöhnlichen Frau fasziniert auch in der Gegenwart und vereint viele Themen
"Ich will es. Ich weiß, dass ich es schaffen kann. Ich weiß es."
Hat es sie wirklich gegeben, die Päpstin im 9. Jahrhundert? Susanne F. Wolf hat den Roman von Donna Woolfolk Cross für die Bühne dramatisiert. Johanna von Ingelheim geht beharrlich ihren Weg. Die Geschichte eines ungewöhnlichen Mädchens, das sich allen Widerständen zum Trotz Bildung erkämpft und durch Wissen Macht erlangt. Johanna verlässt die vorgezeichneten Wege als Frau und findet ihre Freiheit und Bestimmung nur in Männerkleidern. Vom Mönch und Wunderarzt zum Priester und schließlich zum Papst. Und doch wird ihr das, was sie unter dem Ornat verbirgt, zum Verhängnis.
ausführliche Beschreibung
Wahrheit oder Mythos? Johanna wird im Jahr 814 in Ingelheim als Tochter des Dorfpriesters geboren. Das unerwünschte Mädchen hat nur einen Wunsch: Es will lernen und den Quell der Weisheit erlangen. Die Hl. Katharina, die durch ihr Wissen die bedeutendsten Männer übertrumpft hat, ist Johannas Vorbild. Heimlich wird sie von ihrem Bruder Matthias im Lesen unterrichtet und bekommt von der Mutter einen ungewöhnlichen Rat: Gib dich nie einem Mann hin. Als Matthias stirbt, sieht der Vater darin eine Strafe Gottes und gibt dem Teufelskind Johanna die Schuld.

Der Lehrer Aeskulapius erkennt Johannas außergewöhnliche Intelligenz und hat mit seinem Unterricht bei ihr mehr Erfolg als bei Johannas zweitem Bruder. Johannes, der den verstorbenen Matthias ersetzen soll, will lieber Soldat als Priester werden. Als Johanna auf Geheiß des Bischofs zum Studium nach Dorstadt geholt werden soll, besteht der Vater darauf, den Sohn zu schicken. Johanna flieht mit ihrem Bruder, und die Geschwister werden von nun an im Doppelpack unterrichtet. Da Johanna als Mädchen nicht in der Domschule wohnen darf, wird sie auf dem Gut von Markgraf Gerold untergebracht. Zwischen Gerold und Johanna entwickeln sich Gefühle, die ihnen noch zum Verhängnis werden sollen. Gerolds Frau Richild organisiert heimlich eine Zwangsverheiratung Johannas. Ein Überfall der Normannen verhindert die Hochzeit und kostet Johannes das Leben. Johanna gibt sich als ihr Bruder aus und flieht als Mönch in das Kloster von Fulda. Bald ist Bruder Johannes Anglicus wegen seiner medizinischen Fähigkeiten überregional bekannt. Dass sie sich als Frau nur in Männerverkleidung verwirklichen kann, wird Johanna täglich mehr zur Gewissheit. Sie wird zum Priester geweiht und entfernt sich immer weiter von der Möglichkeit, ihre falsche Identität abzulegen. Von ihrem Verstand gelenkt, schafft sie sich im Kampf gegen katholisch antiquierte Gesetze vermehrt Feinde. Allen voran Arsenius, der im Hintergrund an der Karriere seines Sohnes Anastasius feilt. Als die Pest ausbricht, wird Johanna im unermüdlichen Einsatz für die Kranken selbst angesteckt. Sie muss erneut fliehen, um nicht als Frau erkannt zu werden.

In Rom ist sie als Leibarzt des Hl. Vaters Sergius bald als der „kleine Papst“ verschrien. Unter dem ständigen Wandel von kirchlichen und weltlichen Machthabern gewinnt sie, zerrissen zwischen Glauben und Verstand, immer mehr Einfluss. Nach der Ermordung von Papst Leo wird allen Neidern zum Trotz Johannes Anglicus zum Papst gewählt. Niemand weiß, dass eine Frau auf dem Hl. Stuhl sitzt. Nur einer.
Die Wiederbegegnung mit Gerold wirft Johanna aus der Bahn. Was sie so perfekt unter der Kutte verdeckt hat, lässt sich in einem schwachen Moment nicht mehr verleugnen. Der Papst wird Mutter.
9 Darst.
Schauspiel
UA: 21.06.2012, Sommerspiele Melk
Bearbeitung: Susanne Felicitas Wolf

Credits

Bühnenfassung von Susanne Felicitas Wolf nach dem Roman von Donna Woolfolk Cross