Nenn mich Charlie

Peter Limburg

"Na schön. Ich bin ein Geist. Siehst du? Du glaubst mir nicht."
Arties Job als Pilot steht an der Kippe. Sein Sohn liebt Schildkröten, seine Frau hat ihn wegen eines Schokoladefrabrikanten, seine Freundin wegen seiner Impotenz verlassen. Eines Tages taucht ein Geist vor ihm auf, der sich Charlie nennt und in Etappen erscheint und verschwindet.
ausführliche Beschreibung
Artie Stukenfeld ist ein Pilot in der Krise. Seine Flugangst ist nicht mehr zu bezwingen, seine Abstürze häufen sich- zum Glück allerdings nur auf dem Simulator. Die Konsequenz der Fluggesellschaft aus dieser Misere ist eine vorläufige Suspendierung vom Dienst. In seinem heimatlichen Domizil am Meer ist der Panik-Kapitän auch nicht gerade vom Glück verfolgt. Seine Frau hat ihn wegen eines Schweizer Schokoladefabrikanten verlassen, seine Freundin wegen seiner- tja- Impotenz. Sohn Tobias studiert als Schildkrötenfanatiker mehr die Anatomie der gepanzerten Tierchen als die von gleichaltrigen Mädchen. Dominantes Oberhaupt des „idyllischen Drei-Männer-Haushaltes“ ist Arties Vater Leo, einst gefeierter, doch heute in Vergessenheit geratener Psychotherapeut, der Sohn, Enkel und die Möwen am Strand gleichermaßen terrorisiert.

Eines Tages taucht ein Geist im Gewand eines Matrosen um 1850 vor Arties erstaunten Augen auf: er nennt sich Charlie und verfügt über magische Tricks, in einer für „Normalsterbliche" unterschiedlichen Wahrnehmung in Erscheinung zu treten. In geisterhafter Verwandlung suggeriert er vor Arties innerem Auge eben jenes Körperteil als schwebendes Mahnmal, das Artie zur Zeit die größten Probleme macht und ihn traurige Spätfolgen seiner „psychotherapeutischen Erziehung" befürchten lässt.

Charlie, vom „großen Käptn“ aus der Zwischenwelt hinuntergespuckt zu den kleinen Erdenbürgern, kann allerdings auch in andere Gestalten schlüpfen. Getarnt als Klempner, verlegt er Rohre und wirbelt das desolate Familienleben mit seinen himmlischen Kräften heftig durcheinander. Da taucht die lebenslustige Oleana vom Nachbarhaus auf und bewirkt beim alten Griesgram Leo zum Erstaunen seiner Nachkommen wahre Wunder. Die aufreizende Biologielehrerein Eva, die mit Tobi das Verhalten der Schildkröten beim Märchenerzählen studiert, klopft nicht nur Tobis Schutzpanzer weich, sondern bezaubert auch den verkorksten Vater.

Unter Charlies Regie spielen sich kleine Katastrophen, amouröse Verwirrungen und „scherbenreiche“ Turbulenzen ab. Er kuppelt und lenkt, verhindert und korrigiert. Eine Weltreise von Leo und Oleana ist der Anfang vom Ende der Mission. Nicht nur Leos Zeit auf diesem Planeten ist abgelaufen, auch Charlie, der seinen neuen Erdenjob zunehmend lieb gewinnt, wird von der himmlischen Zentrale zurückbeordert. Als Wanderer zwischen den Welten und Meeren macht er sich beim Gesang der Wale wieder auf den Weg zurück in die ZW, in die Zwischenwelt. Doch wer gesellt sich da zu ihm? Ist das nicht Oleana? Also doch zwei Geister?