Tschechow für zwei Schwestern

Peter Limburg

Grace und Walter führen seit Jahrzehnten ein beschauliches Leben in einer Kleinstadt in New Jersey. Bis zu dem Tag, an dem Grace's Schwester Mary-Faith nach langer Abwesenheit ins Haus schwebt. Die schillernde Filmdiva, deren Verehrer sich im flotten Wechsel die Klinke in die Hand drücken, wirft so manche Frage in das in die Jahre gekommene Eheleben ihrer Gastgeber. Und im Garten lauert ein verdächtiger Stalker. Der hat aber ausnahmsweise nichts mit Mary-Faith zu tun.

Wenn eine Person ins Haus schneit, die so ganz anders ist als seine Bewohner, und wenn diese Person, die lange absente Schwester der Hausherrin ist und dann noch bleibt, das ist Komödienstoff. Peter Limburg hat mit seiner schillernden Diva, hinter deren Allüren ein liebenswerter Freigeist steckt, eine wunderbare Frauenrolle geschaffen. Aber natürlich
verteilt Limburg die Liebe zu seinen Figuren in „mütterlicher“ Gerechtigkeit. Die scheinbar unromantische Grace mag man ebenso wie ihren kauzig-schrulligen Ehemann. Mary-Faiths Lover, die im flotten Turnus ins Haus schneien, kurbeln das turbulente Geschehen zusätzlich an. Und wie es bei Limburg anders gar nicht denkbar ist: Hinter der Komödie „menschelt“ es zutieftst!
ausführliche Beschreibung
Die Schwestern Grace und Mary-Faith könnten unterschiedlicher nicht sein. Grace ist von eher spröder Natur und lebt seit Jahrzehnten mit ihrem Mann Walter in einem kleinen Städtchen in New Jersey. Das beschauliche Leben wird jäh unterbrochen, als Mary-Faith nach langer Funkstille ins Haus schwebt und mit ihr der Glamour einer in die Jahre gekommener Filmdiva. Walter, der bis dato nur beim Angeln Leidenschaft erkennen ließ, blüht in Gesellschaft der schillernden Schwägerin sichtlich auf. Sehr zum Ärger von Grace, die als ehemalige Lehrerin auf ihre Wiedereinstellung hofft und ihre Energie in Tierschutz und Buchrezensionen investiert.

Zur Freude von Grace will Mary-Faith nicht lange bleiben. Es winken wichtige Filmangebote. Das fulminante Comeback ist in Sicht, obwohl man ja nie weg war. Mit großer Theatralik verlässt sie das Haus, um bald darauf wieder mit Glanz und Glitzer zurückzukehren und die Ruhe endgültig zu verscheuchen. Mary-Faith fährt nicht nur Walters Auto zu Schrott, sie klaut auch noch eines. Schuldbewusstsein ist ein Fremdwort für sie. Fröhlich flattert sie durchs Leben, das die anderen viel zu schwer nehmen. Dabei hat sie auch nicht viel zum Lachen, betrügt sie doch der aktuelle Gatte, so wie die verflossenen, nach Strich und Faden.

Aber was soll‘s? Noch kann sie nicht klagen und wird täglich von einem anderen Verehrer abgeholt: Kevin, der über die Sinnlosigkeit der reinen Existenz seinen Doktor der Philosophie machen will, wäre wohl eher ein Fall für die Adoption. Und Eddie, ein entlassener Knastbruder, den Mary-Faith so animalisch findet, will sich gleich im Keller einquartieren. Grace und Walter kommen aus dem Staunen nicht heraus. Mary-Faith‘s ungezwungener Umgang mit den Trieben macht den beiden bewusst, dass die sinnliche Komponente ihrer Beziehung bereits prähistorisch ist. Mag man den anderen eigentlich? Passt man wirklich zusammen? Wann hat man einander das letzte Mal berührt oder gar mehr? Wäre eine Trennung möglich nach so vielen Jahren? Genährt werden solche Gedanken jäh, als Gretchen Solomon, Walters Jugendliebe, unvermittelt wieder solo ist und ihm ganz zufällig über den Weg läuft? Erwachen da neue alte Gefühle? Und war es richtig von Grace, Walter die Erlaubnis zu geben, mit Mary-Faith nach Florida zu reisen? Immerhin hat sie die beiden vor 32 Jahren in recht unerfreulichem Flagranti im Auto erwischt. Die Spannung steigt. Als wär‘s noch nicht genug, schleicht zudem ein verdächtiger Stalker ums Haus. Und der hat ausnahmsweise nichts mit Mary-Faith zu tun …