Welt ohne Tage

Catherine Aigner

Ein Stück über das Altwerden
Welt ohne Tage ist ein Stück über das Altwerden, ein Stück über Jahre und Tage, die auf einmal beschließen, eigenständig davonzueilen, ein Furchtzentrum bilden, weil alles, was definiert war in Gesellschaft und Familie zusehends namenlos wird. Es geht um den Schluckauf des Vergessens. Nie wieder gut zu machen. Wächst er als genetischer Motor allen über den Kopf. Alle Natur wird beständig namenlos. (Catherine Aigner)
ausführliche Beschreibung
Lucile und Ernestine kennen einander seit ihrer Mädchenjahre. Jetzt sind sie alte Frauen, Lucile ist Witwe und hat zwei erwachsene Kinder, Ernestine ist von ihrem Mann vor 28 Jahren verlassen worden. Sie überlisten die Einsamkeit mit Kartenspielen und exzessivem Teleshopping. Misstrauisch und unsentimental pflegen sie ihre symbiotische Freundschaft, teilen Schnaps und Schlaftabletten, streiten und vertragen sich übergangslos wie Kinder. Beide sind an jener Station des Lebens angekommen, in der die Erinnerung an die ferne Vergangenheit deutlicher ist als an die nahe. Lucile hält täglich Zwiesprache mit dem Bild ihres verstorbenen Mannes, während die aktuellen Minuten ihrer „Welt ohne Tage“ im Vergessen verschwimmen. Ohne Rücksicht auf Verluste lebt sie im Vakuum ihrer persönlich erlangten Freiheit, die mehr und mehr im Widerspruch zu alltäglichen Regeln steht.

Die Folge dieses eigenwilligen Lebenswandels sind Berge unbezahlter Rechnungen für unnötige Anschaffungen in Dutzendausgabe. Diese Aktionen machen Luciles verheirateter Tochter Antonia mehr zu schaffen als deren Bruder Philipp, einem verbummelten Unternehmer auf kriminellen Abwegen.

Beide Kinder haben es auf Luciles Konto-Karte abgesehen. Antonia, um die Mutter vor unkontrollierten Ausgaben zu schützen, Philipp, um mit Luciles Unterschrift seine illegalen Transaktionen als Finanzcoach zu decken.

Nach einem ersten Geldregen, an dem der Sohn seine „Geschäftspartnerin“ beteiligt, stürzt sich Lucile mit Ernestine in einen Kaufrausch. Auf dem Weihnachtsmarkt machen sie die Bekanntschaft eines Obdachlosen, in dem Lucile partout ihren Schwager Christoph sieht. Der Penner spielt die Komödie den betagten Mädchen zuliebe mit, und das glückliche Trio feiert einträchtig vor dem erleuchteten Weihnachtsbaum. Doch der schönste Heilige Abend ihres Lebens nimmt ein böses Ende. Philipp wird wegen Geldwäsche verhaftet, Lucile entgeht nur nach erklärter Unzurechungsfähigkeit einer Anklage. Bevor sie den von ihren Kindern beschlossenen Gang ins Altersheim antritt, nimmt sie einen anderen Weg.