Sommer 2018. Luzifer eröffnet in Melk sein THEATER DES BÖSEN. Als Ehrengast lädt er seinen ehemaligen Freund und Weggefährten Gott ein, um ihn davon zu überzeugen, dass man ihm, dem gefallenen Engel, ein Leben lang Unrecht getan hat. Und dass das Gute und das Böse auf dieser Welt, näher beieinander liegen, als man denkt.
Bestsellerautor Bernhard Aichner legt sich mit dem Teufel an. Das Auftragswerk der Sommerspiele Melk brachte höllisches Vergnügen auf Erden. Die Figuren gehen in Mehrfachrollen durch einen Szenenreigen des Bösen, ein Parcours durch historische Abgründe. Von Amon Göths Balkon in Płaszów zu einer Totenfeier für einen Selbstmörder, der seine Tochter missbraucht hat, von Rubens attackiertem Meisterwerk direkt auf die Yacht einer millionenschweren Kaufhauserbin. Gott und der Teufel bleiben einander nichts schuldig. Das letzte Wort hat das Publikum.
ausführliche Beschreibung
Luzifer schmollt. Man tut ihm unrecht. Für alle Grausamkeiten auf Erden soll er seinen behörnten Kopf hinhalten? Um sein Image zu polieren, gründet er das Theater des Bösen. Als Ehrengast erscheint sein ehemaliger Freund und Weggefährte: Gott himself.
Generalprobe: Luzifer zeigt Gott seine Inszenierung des Grauens – Alltagszenen aus der Vergangenheit und der Gegenwart, Historisches und Unverbürgtes. Luzifers Ensemble schlüpft in die Rollen bekannter Negativgestalten der Geschichte. Amon Göth in trauter Zweisamkeit mit seiner Frau Irene auf dem Balkon, bevor er in die Menge schießt. Gott brüstet sich, Steven Spielberg für Schindlers Liste inspiriert zu haben. Luzifer beschimpft Gott als Verantwortlichen des Zweiten Weltkriegs und wäscht seine Hände in Unschuld. Er habe damals im neutralen Portugal eine Auszeit genommen.
Weiter geht’s in die Münchner Pinakothek vor Rubens‘ Höllensturz der Verdammten. Der Teufel wird aus dem Himmel vertrieben. Wer steckte denn hinter dem armseligen Attentäter Walter Menzl, der das Bild mit Beize verunstaltete, wenn nicht der Teufel, der sich für diese peinliche Darstellung rächen wollte? Ständig greifen Gott und der Teufel in die Szenen ein und streiten um Gut und Böse. Gott selbst ist der Auftraggeber alles Bösen, behauptet der aus dem Paradies Vertriebene. Gott wiederum wirft seinem Widersacher permanentes Mobbing vor. Es ist völlig egal, wen von uns beiden sie dazu benutzen, ihre Kriege zu rechtfertigen. In deinem Namen oder in meinem ist es geschehen. Hauptsache sie sind nicht dafür verantwortlich. Luzifers Performance ist noch nicht zu Ende, das Repertoire des Bösen ist unerschöpflich. Auf einer Luxusyacht wirft man einen Kellner kaltblütig über Bord und tröstet die Hinterbliebenen mit Schmerzensgeld. Legendäre Massenmörder beiderlei Geschlechts treten zur Sinfonie der Grausamkeiten an: Elena Ceaușescu, die mordenden Krankenschwestern, besser bekannt unter „Todesengel von Lainz“, Josef Stalin, Anders Breivik, Iwan, der Schreckliche, Idi Amin, Lynndie England, die Besetzungsliste ist endlos. Doch die Beweisführung um die Urheberschaft des Bösen stockt. Gott und der Teufel schreiten zum finalen Zweikampf. Einer muss das Feld räumen. Wer geht? Wer bleibt? Ein riskantes Spiel. Braucht der Teufel Gott nicht wie Gott den Teufel?
Der Theaterabend wird zur Achterbahnfahrt der Gefühle, zu einer Gratwanderung zwischen Recht und Unrecht, zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen Lachen und Weinen. Verführerisch und diabolisch führt Luzifer Regie. Doch Gott mischt sich ein. Er kritisiert, verändert, wirkt Wunder auf der Bühne und schreibt Luzifers Stück um, und damit auch einige Episoden der Weltgeschichte neu. Luzifer wehrt sich, widerruft, legt nach. Und schon schlüpfen beide in die Rollen weltberühmter Figuren.
„Ein Abend, der mit mythologisch aufgeladenen Figuren zupackt; der zeigt, wie absurd, humorvoll und gnadenlos unsere Welt war, ist und vielleicht sein könnte – und wie schmal der Grat zwischen Gut und Böse sein kann."
Daniela Matejschek, Die Presse. 01.06.2018