Antonia

(Antónia)
Lustspiel in drei Akten

Melchior Lengyel

"Das Leben gibt kein ganzes Glück. Freuen wir uns, wenn wir die Hälfte bekommen..."
Ein kleines ungarisches Dorf, ein Gutshof, eine Ehe voller Vertrauen – und ein einziger Ausflug, der alles ins Wanken bringt. Als Antonia, die resolute Gutsfrau, ihre Nichte nach Pest begleitet, wird aus einer harmlosen Nacht in der Stadt ein Wirbelsturm der Gefühle. Alte Verehrer tauchen auf, ein junger Engländer verliert sein Herz – und Antonia steht plötzlich zwischen Pflicht und Leidenschaft. Ein Spiel von Glanz und Vergänglichkeit, von Sehnsucht und Abschied: der Frühling des Lebens trifft auf den goldenen Herbst.
ausführliche Beschreibung
Vincze Fancsy ist Gutsbesitzer und Komitatsoberanwalt in Varkony, einem kleinen ungarischen Dorf, nicht allzu weit von Pest entfernt. Antonia, seine Frau führt mit energischer Hand die Wirtschaft, während sich Vincze gerne ins Kasino verirrt. Die beiden führen eine harmonische Ehe und können sich blind aufeinander verlassen. Vinczes Neffe Gyuri arbeitet als Ökonomiepraktikant auf dem Gut und wird von der resoluten Tante von früh bis spät herumgescheucht.

Als Piri, Tonis hübsche Nichte aus der Hauptstadt ankommt, wird der Provinzalltag zwischen Saustall und Kukuruz kräftig aufgewirbelt. Mit ihrer jugendlichen Vitalität erinnert Piri die Tante an vergangene Tage in Pest, als ihr die Männerwelt zu Füßen lag. Piri ist unsterblich verliebt in einen englischen Offizier namens Barker und überredet Antonia, nur für einen Abend ihre Pflichten zu vergessen und sie als Beschützerin nach Pest zu begleiten.

In Pest erwachen Antonias Lebensgeister und sie ist - wie früher - der Mittelpunkt der Gesellschaft. Beim Souper trifft sie ihren alten Verehrer Bela Kovacsy, an dessen Tisch- welch ein Zufall - Gyuri sitzt. Bela verfällt - wie vor zehn Jahren - sofort Tonis Charme und will sie heiraten. Doch die umschwärmte Antonia verdreht in dieser verrückten Nacht nicht nur Bela den Kopf. Sie selbst verliebt sich in Piris Engländer, der nur noch Augen für die schöne Tante hat und die junge Nichte gar nicht mehr bemerkt. Antonia verliert sich in einem Rausch von Gefühlen und möchte am liebsten die Zeit zurückdrehen.

Doch sie ist eine kluge Frau und weiß, wohin sie gehört. Im Morgengrauen kehrt sie nach Varkony zurück, wo Vincze sie schon vermisst hat. Als kurz darauf die beiden Verehrer Bela und Barker samt Musikkapelle am Gut auftauchen und ihr den Hof machen, hat sie alle Mühe, ihrem Mann die Situation zu erklären. Schließlich steht sie zu ihren Gefühlen und dem heimlichen Ausflug ins nächtliche Vergnügen von Pest. Doch alles hat seine Zeit. Still verabschiedet sie sich vom Frühling des Lebens und sieht ein, dass sie sich langsam mit dem goldenen Herbst anfreunden muss.