Der König von Meidling

Stephan Lack

Der Wiener Robin Hood
„Mir hat neamd a Zukunft in die Wieg glegt, Herr Inspektor. Nur aan Hunger.“
Im April 1919 fanden sich 40.000 Wiener auf dem Meidlinger Friedhof ein, um sich zu verabschieden - aber nicht von einem Künstler oder Politiker, sondern von einem Kriminellen. Johann oder Schani Breitwieser, eine der schillerndsten Persönlichkeiten der letzten Tage der Monarchie, war im Alter von 29 Jahren von der Polizei sozusagen tödlich verhaftet worden. Er war Einbrecher, Sozialrebell, Volksheld. Egon Erwin Kisch sah in ihm „einen Mann der Tat, des Mutes, des Ernstes und der Intelligenz.“
ausführliche Beschreibung
Das Stück spielt im Wien um das Jahr 1910: Mit einer ordentlichen Portion krimineller Energie bewaffnet, versucht der junge Johann Breitwieser seiner ärmlichen Existenz zu entfliehen. Rasch steigt er zum Anführer einer Einbrecherbande auf und gelangt auf Grund seiner legendären Einbrüche aber auch Gefängnisausbrüche zu lokalem Ruhm. Mehr noch: Die Meidlinger sehen in „ihrem Schani“ einen Volkshelden, der einen Großteil seiner Beute unter der armen Bevölkerung verteilt. Für die Obrigkeit wird Breitwiesers aufwieglerisches Verhalten immer mehr zum Ärgernis. Die Polizeikommissare Hollerer und Sperling sind ihm dicht auf den Fersen. Wie lange gelingt es Breitwieser noch, sich seiner Verhaftung zu entziehen und - schafft er den rechtzeitigen Absprung ins Ausland?

Stephan Lack setzt dem Wiener Robin Hood ein berührendes literarisches Denkmal und schafft rund um seinen Helden ein Panoptikum von urtypischen Bewohnern der untergehenden Kaiserstadt. In knappen Szenen wird ein Leben abgespult, das in der Armut begann und armselig endete. Trotzdem lacht der Wiener Schmäh durchs Gefängnisgitter, und der Charme des Vorstadtproletariats rückt die kriminelle Realität, nicht aber ihre Ursachen, ein Stück in den Hintergrund.
5D 6H
Mehrfachbesetzung möglich
Schauspiel