Böse Komik im Panoptikum trüber Dorfgestalten!
„Du brauchst keine Angst zu haben. Jetzt wird alles gut. Ich bin ein Wunder.“
Stefan Vögel hat die Geschichte der bekannten Fernsehserie in eine adäquate Theaterfassung verwandelt. Die Handlung ist auf die wichtigsten Personen reduziert und wird ausgehend vom Hauptschauplatz, der fingierten Marienerscheinung, erzählt. Die Madonna wacht über das dörfliche Treiben und muss für so manches Wunder, das gar keines ist, herhalten. Dass sich das Geschehen auf der Theaterbühne fast noch mehr verdichten kann, ist der genialen Vorlage von David Schalko und Stefan Vögels starker Bühnendramatik zu verdanken.
ausführliche Beschreibung
Braunschlag ist eine ganz normale österreichische Gemeinde im tiefsten Waldviertel. Bis die Jungfrau Maria erscheint. Natürlich tut sie das nicht von selbst. Bürgermeister Tschach und sein bester Freund Pfeisinger helfen mit einer gefinkelten technischen Konstruktion nach. Auf Pfeisingers Grundstück. Tschach ist gar nicht beliebt bei den Leuten. Seine Wiederwahl kann nur ein Wunder retten. Und dem Wirten Pfeisinger sitzt die Bank im Nacken. Reinhard, der kauzige Schwager Pfeisingers, liefert, ohne es zu wissen, die zündende Idee. Der Tierpräperator gilt als Spinner und
lockt auf seinem UFO-Landeplatz in Erwartung der Außerirdischen die Japaner ins Dorf. Das können Tschach und Pfeisinger auch. Sie benutzen Reinhard als den ersten Erwählten der Marienvision. Die Erscheinung macht die Runde. Fortan zieht Maria mit sprühenden Blutstränen Ströme von Touristen in das verschlafene Kaff. Die Kasse klingelt, und jeder will profitieren.

Die Dorfpolizisten Gerti und Hannes sind das, was sie schon immer waren: geistig überfordert. Die Parkplätze sind überfüllt mit Pilgerbussen. Es gibt einen Maria-Shop, Braunschlager Weihwasser in allen Duftnoten, ein Marienerscheinungs-Menü im Gasthaus Pfeisinger. Bei so viel Rummel wird Rom hellhörig und schickt den Kommissar der vatikanischen Glaubenskongregation Banyardi zur heiligen Inspektion. Der fesche Monsignore inspiziert aber lieber Herta, Tschachs frustrierte Frau, die bei seinem Anblick zu neuem Leben erwacht. Dass ein Mann mit ihr mehr als das Nötigste spricht, ist sie von Tschach nicht gewohnt. Der hat ja auch alle Hände voll zu tun, seine dunklen Geschäfte mit der Ost-Mafia in Tschechien abzuwickeln. Mit dem Geld der Gemeinde, das er auf Pump in ein Casino drüben gesteckt hat. Und nebenbei treibt er's mit Pfeisingers Frau Elfi im dortigen Stundenhotel.

Als Elfie schwanger wird, ist einer sehr erstaunt: Pfeisinger, denn der kann keine Kinder zeugen. Aber so ist es eben: Ein Wunder nach dem anderen schickt die gnadenreiche Himmelsmutter über die gebeutelten Braunschlager. Matussek, Elfis Vater, der täglich einmal stirbt, wird durch den wundersamen Einsatz von zwei Meerschweinchen geheilt. Und dann taucht auch noch Bauxi, sein verschwundener Jagdhund, nach drei Jahren auf und zerfetzt gleich zur Begrüßung sein Herrl. Das bestätigt die Existenz der Heiligen Maria zwar aufs Neue, weil Matussek hatte gesagt, er könne erst sterben, wenn sein Bauxi zurückkommt, trotzdem ist das Dorf beunruhigt. Denn Matusseks tragischer Tod ist erst der Anfang einer mysteriösen Serie von Unglücksfällen...
3D 5H
Komödie, Schauspiel
Das Stück ist auch als Dialektfassung vorhanden.
UA: 12.07.2016, Filmhof Weinviertel, Aspern

Übersetzungen

Credits

Nach der Fernsehserie von David Schalko