Oma oder Alles paletti

Elfriede Hammerl

Eine bitterböse Satire über den Ausverkauf der Arbeitskraft und den Wertverlust als Mensch in einer Gesellschaft ohne Menschlichkeit
„Haben wir die Grenze jetzt hinter uns oder noch vor uns?“
Oma wird als Leihoma wiederholt abgelehnt. Der Beamte tut sich langsam schwer, sie zu vermitteln. Oma landet auf dem Gnadenhof. Viktor nimmt sie zu sich. Nachdem der Beamte ausgedient hat, nimmt er den auch bei sich auf. Dann wird Viktor arbeitslos. Seine neue Freundin, die Stellenvermittlerin vom Gnadenhof, bangt ebenfalls um ihren Job. Gemeinsam fliehen die vier Lastexistenzen ins Niemandsland. Dort droht ihnen noch größere Gefahr. Erneut ergreifen sie die Flucht.
ausführliche Beschreibung
Oma wird als Leihoma nicht mehr gebraucht. Sie wird durch einen Leihopa ersetzt. Oma, die in ihrem früheren Leben Naturwissenschafterin war, ist nutzlos geworden. Nicht einmal Kinder hat sie in die Welt gesetzt. Am Amt wird es schwieriger, sie zu vermitteln. Das ist schon die dritte Familie, von der sie abgelehnt wird. Wenn sich kein Erwerbstätiger findet, der für ihre Nützlichkeit bürgt, droht ihr der Ausschluss aus dem Generationenvertrag. Der Beamte warnt die alte Frau mit dem starken Widerspruchsgeist: Sie müsse sich eben beliebt machen, dann wäre alles paletti.

Oma ist am Gnadenhof gelandet. Der Beamte, für den vor kurzem noch alles paletti war, auch. Er hat ausgedient. Beate vermittelt hier die Stellen. Viktor nimmt Oma zu sich, weil sie ihn an seine verstorbene Oma erinnert. Sie solle zufrieden sein, immerhin zahlen Leute wie Viktor Omas Rente. Eigentlich könnte sich Oma längst zur „freiwilligen Entlastung“ der Gesellschaft entschließen. Doch Oma hängt am Leben. Sie weiß gar nicht, warum. Sie würde auch gerne noch arbeiten. In ihrem Beruf. Darf sie aber nicht mehr. Beate ist Viktors neue Freundin. Sie hätte Viktor lieber den Beamten vermittelt. Der will ohnehin Omas Platz einnehmen. Es schaut schlecht aus für ihn als Leihopa. Beate überredet Viktor, den Beamten zumindest vorübergehend bei sich aufzunehmen. Das ist streng verboten. Anspruch auf mehr Hilfspersonen hat man erst bei einer bestimmten Anzahl von Kindern. Und die haben sie nicht.

Viktor verliert seinen Job in der IT-Branche. Immer mehr Computer übernehmen die Arbeit an Computern. Und für einen über Dreißigjährigen stehen die Chancen am Arbeitsmarkt schlecht. Auch Beates Zukunft ist ungewiss. Sie ist Diabetikerin. Die Krankenkassen nehmen nur Gesunde. Viktor versteckt Oma und den Beamten bei sich. Als Arbeitsloser steht ihm nicht einmal mehr Oma als Hilfe zu.

Zu viert flüchten sie ins Niemandsland. Dort verrichten Roboter alle Arbeiten. Menschen braucht man nur für Crash-Tests und medizinische Versuche. Der Beamte verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Bei der Vernehmung wird die Muttersprache unverständlich in die Muttersprache übersetzt. Man versteht sie nicht. Und sie verstehen nichts. Als der Boss vorbeischaut, wendet sich das Blatt. Er gehört zur kapitalkräftigen Elite, die sich auf Inseln zurückgezogen hat. Der Boss findet Gefallen an der gebildeten Oma und nimmt sie als Gesellschaftsdame auf. Langweilen dürfe sie ihn nicht. Der Personalaustausch sei rege. Durch Omas Fürsprache dürfen Viktor und Beate mitkommen.

Die Insel ist kein Paradies. Oma erkennt die Gefahr als erste. Die Elite braucht ab und zu menschliches Personal, um das Gefühl auszukosten, jemandem Schmerz zuzuführen. Das könnten einem Roboter nicht bieten. Die drei Geflohenen müssen wieder fliehen. Viktor hat auf Google Earth eine menschenleere Insel gefunden. Sie machen sich auf den Weg dorthin. In einem viel zu kleinen Boot.
5D 5H
Doppelbesetzungen möglich
Wechseldekoration
Schauspiel
UA: 22.03.2022, Freie Bühne Wieden, Wien
Frei zur: DEA