Odyssee

nach Homer

Alexander Hauer / Stephan Lack

„Den Menschen ohne Gott gibt es, doch keinen Gott ohne den Menschen.“
Homers prägendes Werk der europäischen Kulturgeschichte wird zur modernen Gegenwartsdramatik. Stephan Lack und Alexander Hauer legen den Fokus nicht nur auf den heldenhaften König von Ithaka, sondern zeichnen einen von Krieg und Massakern traumatisierten Irrfahrer, der sein Verhalten reflektiert und in eine Heimat zurückgekehrt ist, in der er fremd ist. Wird sich die Weissagung des Sehers Teiresias erfüllen?
ausführliche Beschreibung
Odysseus, der Listenreiche, der durch seine geniale Idee mit dem hölzernen Pferd den Krieg gegen Troja für die Griechen entschied, irrt zwanzig Jahre lang über die Meere. Die Götter stellen ihm eine Hürde nach der anderen in den Weg, nahe am Ziel, rückt die Heimat immer wieder in die Ferne. Zu Hause wartet die treue Penelope, umringt von skrupellosen Freiern, die weniger die alternde Königin, als ihren Thron erobern wollen. Der abwesende Gatte beglückt inzwischen mehr oder weniger unfreiwillig diverse Damen und Nymphen, die ihn an sich fesseln und ungern wieder freigeben: Acht Jahre Aufenthalt bei der schöngelockten Kalypso, die ihn auf Befehl des Zeus wieder über die Meere ziehen lassen muss, eine weitere Zwischenstation bei der betörenden Kirke, die seine Gefährten in Schweine verzaubert, eine Liaison mit der phaiakischen Prinzessin Nausíkaa, deren königlicher Vater den Schiffbrüchigen gerne als Schwiegersohn gesehen hätte. Aber nicht nur schöne Frauen verzögern die Heimfahrt, auch Riesen und Meeresungeheuer hat der herumirrende Held zu bezwingen: den einäugige Kyklopen Polyphem, die speienden Untiere Skylla und Charybdis, die singenden Sirenen - selbst den Hades muss der von Poseidon Getriebene durchwandern. Bei der Fahrt über den Styx begegnet er seiner toten Mutter. Und der Vater Laertes? Der
hat sich als Schweinehirt in Ithaka zurückgezogen und erkennt den heimgekehrten Sohn nicht gleich. So wie auch Odysseus selbst seinen mittlerweile erwachsenen Telemach nicht, der sich den ewig abwesenden Vater ganz anders vorgestellt hat. Bei seinem Anblick denkt Odysseus an ein Kind, das in Troja sinnlos ermordet wurde. Und er denkt an die Weissagung des Sehers Teiresias: Er würde durch die Hand seines eigenen Sohnes sterben. Wird sich die Prophezeiung erfüllen? Wird dieser Sohn Telemach sein? Oder gibt es noch einen anderen?

Stephan Lack und Alexander Hauer haben eine heutige Fassung des ewig heutigen Stoffs geschaffen. Unter teilweiser Einbeziehung der Ilias und Telegonie - der Fortsetzung der Odyssee - die dem Helden nachträglich einen Sohn von Kirke beschert, vereinen sich Szenen der Gegenwart und der Vergangenheit zu einer kompakten Gesamtkomposition aus verschiedenen Sichtweisen. Die bekannten Stationen des irrfahrenden Helden werden nicht auf einer Ebene abgewickelt, sondern fließen als Erinnerungen und Wahnvorstellungen in die Erzählungen des heimgekehrten Odysseus. Traumatisiert von Kämpfen und Massakern und erstmals auch die eigenen Taten reflektierend, begegnet man nicht nur dem glorreichen Helden, sondern einem heimatlosen Heimgekehrten, einem Verlorenen einer Kriegsgeneration.
6D 15H
Doppelbesetzungen möglich, Chor, 1 Kind
Wechseldekoration
Schauspiel
UA: 16.06.2016, Sommerspiele Melk