Nur gut, dass wir uns lieben

Peter Limburg

„Wie soll ich wissen, ob meine Trauer echt ist oder nur Rolle?“
Ein Selbstmord innerhalb eines Schauspielensembles, das sich unter der Regie des kommerzfixierten Prinzipals zur kollektiven Trauer in den Wald zurückzieht: keine Angst! Peter Limburg liefert kein tiefgründiges Psycho-Drama, sondern eine waschechte Komödie mit psychologischem Scharfblick. Mit viel Ironie nimmt er die Eitelkeiten der neurotischen Künstler, die zwischen Rollen und Realität ungern unterscheiden, auf die Schaufel. Trotzdem ist die Überlebens-Komödie kein Insider-Stück, sondern der ganz normale Wahnsinn, der sich innerhalb einer scheinbar verschworenen Gruppe abspielen kann.
ausführliche Beschreibung
Das Tourneeunternehmen „Schloßtheater“ hat einen schweren Verlust zu beklagen. René, hoffnungsvolles Nachwuchstalent des eher drittklassigen Ensembles, hat sich das Leben genommen. Renés Kollegen sind tief getroffen. Ganz im Gegensatz zu Direktor Plenk, mehr geschäftstüchtiger Bonvivant als künstlerisch angehauchter Bohemien, dem die aufmüpfige Forschheit und künstlerische Perfektionssucht des Dahingeschiedenen stets ein Dorn im Auge war.

Der theatralische Abgang Renés just am Schnürboden des Theaters löst unterschiedliche Reaktionen bei seinen Bühnengefährten aus, und jeder trägt seine persönlichen Gefühle anders zur Schau: Während die karriereinspirierte Tina, die mit René liiert war, ihre Trauer mit der Schwärze einer venezianischen Totengondel zelebriert, erhöht die von Selbstzweifeln geplagte Sabine unter den wachsamen Augen der misstrauischen Zarah ihre Tagesdosis an Antidepressiva stündlich.

Um das tragische Erlebnis zu verarbeiten, zieht sich die Truppe unter der „Regie“ des ehemaligen Soziologiestudenten Rüdiger zum kollektiven Trauern in eine einsame Waldhütte zurück. Meditative Reflexion abseits der Zivilisation stehen bei strengstem Verzicht auf technische, kulinarische und sonstige Annehmlichkeiten an der Tagesordnung. Doch die inszenierte Besinnlichkeit im Schoße der Natur entwickelt sich zum zwischenmenschlichen Chaos. Der vom Hunger geplagte Ingo boykottiert Rüdigers Askese-Terror und legt heimlich Nahrungsdepots im Wald an. Sowohl gegenwärtige wie vergangene amouröse Verwicklungen unterschiedlichster Orientierung vergiften neben Scheinschwangerschaften die gesunde Waldluft.

Als der kommerzfixierte Prinzipal den kapitalkräftigen Gehirnchirurgen und Laiendarsteller Arnold als Ersatz für René einschleusen will, gehen die Wogen im Ensemble hoch. Doch die Katastrophe erreicht ihren Höhepunkt, als Rüdiger erfahren muss, dass seine Frau im fernen Heim den geliebten Kanarienvogel Turgenjew zerquetscht hat und ihr Lover, den sie sich während seiner Abwesenheit zugelegt hat, nicht nur „symbolisch“ ist …
3D 4H
1 Dek.
Komödie, Schauspiel