Vsakih sedem valov

(Alle sieben Wellen)

Daniel Glattauer

Neun Monate später. Während Leo auf Systemmanager geschalten und sich nach Boston
abgesetzt hat, bläst bei Emmi weiterhin kräftig der Nordwind. Beider Leben ist
inzwischen weitergegangen. Leo hat in Boston Pamela kennengelernt und ist für eine
neue Beziehung bereit. Emmi, die vom damaligen Eingreifen ihres Mannes keine Ahnung
hat, ist enttäuscht und führt ihr Ehe- und Familienleben mit Bernhard weiter. Doch nach
Leos Rückkehr kommt es zu einem telepathischen Auftakt, und bald werden beide wieder
von der E-Mail-Sucht erfasst. Diesmal beschließen sie, den Schritt in das Neuland der
außervirtuellen Begegnung wirklich zu wagen. Wird die reale Konfrontation der
Liebesutopie standhalten?
Das erste Treffen ist befremdend, beim zweiten kommt es zur folgenschweren
„Handinnenflächenpunktberührung“ und beim dritten landen sie in einer Nacht- und
Nebelaktion im Bett. Die Sicherheitszone von Bildschirm und Tastatur ist verlassen, jetzt
gibt es kein Zurück mehr. Leo gesteht Emmi den Grund für sein abruptes Verschwinden
nach Boston und klärt sie über Bernhards E-Mail-Botschaft mit der Bitte, die Verhältnisse
zu klären, auf. Emmi fühlt sich durch den konspirativen Kontakt der beiden Männer
hintergangen und setzt einen Schlussstrich unter Ehe und Affäre. Ist der gemeinsame Zug
endgültig abgefahren?
Warum ich dir schreibe? Weil ich nicht wortlos auf die siebente Welle warten will.
Die ersten sechs sind ausgewogen und bringen keine Überraschungen. Aber Achtung vor
der siebenten Welle! Für sie gibt es kein Vorher, nur ein Jetzt. Und danach ist alles anders.
Fünf Monate später. Emmi hat ihre „Alles-Illusionen“ begraben und ist zu Bernhard
zurückgekehrt. Leo hat Pamela nach Europa geholt, um den zwischenmenschlichen Alltag
zu testen. Alles ist in Ordnung, doch irgendetwas fehlt. Der Nordwind lässt nicht nach, und
die beiden Sturmgebeutelten können es trotz zelebriertem Abschiedscountdown ja doch
nicht lassen. Nach zaghafter Wiederaufnahme eines wohltemperierten E-Mail-Verkehrs
beschließen sie ein letztes Treffen. Bleibt sie aus? Oder werden sie diesmal erfasst? Von
der berühmten, unberechenbaren siebenten Welle?
1D 1H
1 Dek.
Schauspiel
Slowenisch
UA: 6.5.2010 Kammerspiele des Theater in der Josefstadt, Wien
Übersetzung aus dem Deutschen:
Luca Jencic
Bearbeitung: Ulrike Zemme