Altes Eisen

Bernhard Görg

Politkomödie mit überraschenden Wendungen
"Als wir jung waren, haben wir nur so gesprüht vor Ideen. Die heutigen sind dagegen schrecklich konventionell."
Der bürgerliche Spitzenpolitiker Fitzek lädt zwei alte Freunde zu sich nach Hause ein. Er möchte seine ehemaligen Studienkollegen mit einem mehrgängigen Abendessen verwöhnen. Von der gehobenen Küche, der sich Fitzek seit neuestem verschrieben hat, verstehen die alten Kumpel herzlich wenig. Fred Varga ist ein Sozialdemokrat der alten Schule, und Herbert Semper ein gefragter Topmanager. Anlass der Einladung ist die bevorstehende Ernennung Sempers zum Generaldirektor eines französischen
Unternehmens. Das soll richtig gefeiert werden.
ausführliche Beschreibung
Die Überraschung ist groß, als Semper verkündet, die Beförderung ausgeschlagen und sich spontan zum Ausstieg aus der Firma entschlossen zu haben. Er wolle endlich einmal etwas Wertvolles zum Wohle der Menschheit beitragen. Das kommt den alten Freunden natürlich nicht ganz geheuer vor, und sie wittern andere Hintergründe. Auf hartnäckiges Nachfragen der Zweifler gibt Semper zu, Opfer seines jungen Aufsichtsratspräsidenten geworden zu sein, der eine Frau an der Spitze des Unternehmens sehen wollte.

Das erinnert Fitzek an sein eigenes Schicksal. Auch er wurde von einem aalglatten Jungspund aus der obersten Parteiriege gedrängt. Wie Semper aus der Wirtschaft, stellt Fitzek seinen langsamen Rückzug aus der Politik als einen freiwilligen dar. Und aus purer Lust an der Stichelei enthüllt er auch noch unangenehme Gerüchte über das baldige Karriereende Vargas. Der könne nicht nur die erhoffte Ernennung zum Minister vergessen, sondern auch seinen Posten als Klubvorsitzender. Die anfangs so harmonische Stimmung eskaliert. Jeder durchschaut die lächerlichen Versuche des anderen, Niederlagen als Erfolge darzustellen. Der eigene Frust erhöht die Lust am Untergang des anderen. Die Konversation verhärtet sich zu einem gegenseitigen Schlagabtausch, geht zwischendurch in Drohungen über, nach Hause zu gehen, und mündet in kollektivem Selbstmitleid. Die drei sitzen im selben Boot und hadern mit ihrem Schicksal. Man werde aussortiert, in den besten Jahren aufs Abstellgleis geschoben, am Zenit seiner Berufserfahrung entsorgt, weil sich in den Chefetagen zwanghafter Jugendwahn und quotenbedingter Frauenkult breitgemacht hätten. Gehören sie wirklich schon auf den Schrotthaufen?

Die zurückgewiesenen Herren trösten sich damit, endlich ihren wahren Leidenschaften nachgehen zu können: Der Teilnahme an Sommelier-Kursen, dem Engagement für Flüchtlinge und gar dem Studium der Kaltwasserkorallen. Da erhält Fitzek einen Anruf, und es ist nichts mehr, wie es noch vor ein paar Minuten war…

Bernhard Görg ist in der Welt der Politik und Wirtschaft zu Hause. Er kennt die Chefetagen der Magnaten, die Vorzimmer der Wirtschaftsbosse und die Hintertüren der Parteibüros. Jeder ist sich selbst der nächste, und sogar die besten Freundschaften fallen den Verlockungen eines Karrierekicks zum Opfer. Stellt man die Sinnfrage erst, wenn der Ausstieg ein unfreiwilliger ist, oder wagt man den Schritt, bevor man zum alten Eisen gehört?