Blickwechsel

Susanne Felicitas Wolf

Eine bezaubernde Tragikomödie für 4 Personen zwischen gestern und heute.
"Mögen Sie Kino? Für Kino muss man Zeit haben!"
Als der passionierte Paul Vanicek erfährt, dass sein eigener Sohn ihm seinen Lebensinhalt genommen, nämlich das Kino verkauft hat, erleidet er einen Herzinfarkt ... Ist das der Anfang vom Ende im Altenheim? Noch lange nicht, denn da mischen doch noch kräftig zwei starke Frauen mit.
ausführliche Beschreibung
Der knorrig liebenswerte Wiener Paul Vanicek ist Kinobesitzer aus Leidenschaft. Seit Jahrzehnten dreht sich alles um sein „Admiral“, wo er einem eingeschworenen Publikum täglich die berühmten Leinwand-Klassiker vorführt. Auch in seinem Privatleben, das er seit dem Tod seiner geliebten Frau Erna alleine fristet, dominiert das Kino. In jeder Lebenslage hat er einen Spruch der großen Helden diverser Filmklassiker parat und beglückt seine Umwelt mit Zitaten von Gary Cooper bis Willy Fritsch. Ein Opfer seiner Kinobesessenheit ist die übereifrige Nachbarin Ilse Wegrostek, die den einsamen Misanthropen trotz täglicher Kämpfe in masochistischer Nachbarliebe umsorgt.

Als plötzlich Vaniceks Sohn Ferdl auftaucht und ihm gesteht, dass er wegen akuter Geldnöte das Kino des Vaters verkaufen musste, erleidet der alte Haudegen einen Herzinfarkt. Nach der Rückkehr aus dem Krankenhaus braucht er Betreuung und muss die von Ferdl organisierte mobile Heimhilfe knurrend akzeptieren. Die arme Frau Haber muss so manche Verbalattacke über sich ergehen lassen und nimmt es mit Gelassenheit. Doch als der alte Grantler erfährt, dass sie wie seine verstorbene Frau Erna heißt, mit der er ja in heimlichem Zwiegespräch ist, blüht er nahezu auf und kehrt sogar menschliche Züge hervor.

Er will die letzten drei Monate, in denen er noch Besitzer seines Kinos ist, nützen und plant eine große Abschiedsvorstellung. Verbündete der Geheimaktion ist natürlich die geplagte Ilse Wegrostek, die ihn zwecks Vorbereitungen für die Gala ohne Ernas Wissen zum „Admiral“ fahren soll. Doch schon auf dem Weg ins Kino passieren dramatische Pannen, die das große Ereignis endgültig vereiteln. Nach einem Sturz über die Treppen ist Vanicek verletzt und gibt sich beinahe auf. Als Ferdl dem depressiven Vater zu einem großen Comeback als Filmvorführer in Bezirksheimen überreden will, lehnt Vanicek stur ab. Doch da lernt er die stille Erna Haber von einer anderen Seite kennen. Und auch die überirdische Erna „meldet sich kräftig zu Wort“. Der alte Kinohase lenkt ein, die letzte Klappe ist noch nicht gefallen…
2D 2H
1 Dek.
Schauspiel
UA: 21.09.2007, Volkstheater Wien