Der Feind

(L’ennemi)

Julien Green

„Wenn man von Gott oder dem Teufel spricht, redet man nur von sich selbst.“
Wer ist des Menschen Feind? Gott, der Teufel, der Mensch selbst? Oder alle drei in einer Person? Julien Green behandelt religiöse Elemente, die symbolisch stark übersteigert sind und gibt dem Feind in einem Spiel der Spaltung und Doppelung vielerlei Gestalt: als Satan, dem Widersacher des Menschen oder als Gott, dem „Feind“ der menschlichen Begierden.

1954 in Paris uraufgeführt, ist das Stück auch eine Auseinandersetzung über die feindlichen Hälften im Menschen, die Passion im weltlichen wie im spirituellen Sinne, das Gleichgewicht zwischen Körper und Geist und die Widersprüchlichkeit zwischen dem unwirklichen Leben im Glauben und dem wirklichen in Lust und Fleisch.
ausführliche Beschreibung
Frankreich im Jahre 1785: die herannahende Französische Revolution wirft ihre Schatten über die Gesellschaft. Im Schloss des Gutsherren Philippe de Silleranges scheint das Leben in Morbidität und Langeweile festgefahren. Seit einem Unfall hat sich Philippe von der Welt und seiner Gattin Elisabeth abgekapselt. Die schöne Gräfin hat sich mit der Leere, die ihr Leben beherrscht, längst abgefunden. Auch das heimliche Verhältnis mit Philippe‘s
Bruder Jacques kann ihre innere Erstarrung nicht lösen.

Eines Tages kehrt Pierre, der jüngste Bruder, auf das Schloss zurück. Er hat dem Kloster, in das er einst in einer launischen Anwandlung eingetreten ist, den Rücken gekehrt. Enttäuscht vom Spirituellen stürzt er sich ins weltliche
Leben und setzt sich die Eroberung seiner schönen Schwägerin zum Ziel. Schon am ersten Tag verfällt Elisabeth der Offenheit Pierres und verlässt Jacques. Doch der verschmähte Liebhaber, der dem Bruder immer schon
unterlegen war, rächt sich. Er bezahlt zwei Mörder, die den zurückgekehrten Konkurrenten aus dem Weg schaffen.

Am Ende gibt es nur Verlierer, eine traurige ménage a trois. Elisabeth verkraftet den Verlust Pierres nicht und will das Schloss verlassen. Um einen Skandal zu verhindern, aber auch um seiner Einsamkeit zu entkommen, schließt Philippe mit Jacques ein stummes Abkommen. Er versichert Jacques das Verhältnis mit seiner Frau zur Erhaltung seiner Ehe zu tolerieren. Doch Elisabeth hat längst die Flucht nach Innen angetreten und rettet sich in mystische Visionen.
3D 6H
1 Dek.
Schauspiel
Übersetzung aus dem Französischen:
Irene Kuhn