Einseitige Liebe und naive Selbstgefälligkeit schaffen den emotionalen Boden für ein kleines, persönliches Drama im großen Weltgeschehen.
Stefan Zweigs einziger Roman auf der Bühne. Die Geschichte der gelähmten Edith Kekesfalva und dem jungen Leutnant Anton Hofmiller kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. Falsches Mitleid und das Gefühl, Trost zu spenden sind die Beweggründe für Hofmillers Zuneigung. Nicht zuletzt, um das behinderte Mädchen zu einer in Wirklichkeit aussichtslosen Therapie zu bewegen. Edith glaubt, dass ihre Gefühle von Anton erwidert werden und hofft auf körperliche Genesung. Als die Wahrheit ans Tagesicht kommt, begeht sie Selbstmord.
ausführliche Beschreibung
Was der junge Ulanenleutnant Anton Hofmiller für die gelähmte Edith Kekesfalva empfindet, ist nur freundschaftliche Anteilnahme, die vor dem Anspruch der Liebe versagen muss. Die fatale Geschichte beginnt mit einer unseligen Tölpelei auf dem Schloss des Gutsbesitzers Lajos von Kekesfalva im österreichisch-ungarischen Grenzgebiet. Kekesfalva lädt zu einer Abendgesellschaft, um seiner behinderten Tochter Zerstreuung zu bieten. Anton bittet Edith zum Tanz, nicht wissend, dass sie an den Rollstuhl gefesselt ist. Das Mädchen bricht in Tränen aus, und der Abend endet im Fiasko. Edith gibt Hofmiller bald zu verstehen, dass sie ihm nicht böse ist, und Anton nimmt ihre Einladungen gerne an, um sein Missgeschick wieder gut zu machen.

Bei den täglichen Begegnungen löst sich Edith aus ihrer Verbitterung und findet langsam zu der Lebensfreude, die sie vor ihrer Lähmung hatte. Sie verliebt sich in den feschen Leutnant, und Anton erweckt seinerseits in ihr die Illusion, ihre Gefühle zu erwidern. Hin und hergerissen zwischen der Fadesse im Provinzgarnisonsnest und seinem Samariterdasein unterschätzt er die Folgen seiner Präsenz. Als er in einem vertraulichen Gespräch mit Ediths Arzt Dr. Condor von einer neuen, angeblich Wunder wirkenden Therapie hört, wirft er die von Condor dringlich erbetene Verschwiegenheit leichtfertig über Bord und macht der ganzen Familie Hoffnungen auf Ediths Genesung.

Edith willigt aus Liebe zu Anton ein, sich der vielversprechenden Behandlung zu unterziehen. Dass bei ihr keine Heilung möglich ist, ahnt sie nicht. Und als Dr. Condor von der Chancenlosigkeit in Ediths Fall erfährt, ist es bereits zu spät. Alle glauben an ein Wunder. Der trotz seiner Millionen so hilflose Vater setzt in Hofmiller erdrückende Hoffnungen. Anton verstrickt sich immer mehr in der Rolle, die er gar nicht erfüllen kann, findet aber an dem erhebenden Gefühl, von einem Menschen so gebraucht zu werden, Gefallen. Aus falscher Zuwendung und Standesehre verlobt er sich mit Edith, verleugnet sie aber vor seinen Kameraden.

Als Edith durch eine Verkettung unglücklicher Umstände die Wahrheit erfährt, begeht sie kurz vor der Abfahrt zur Kur Selbstmord. Anton fühlt sich als Mörder und versucht seine Schuldgefühle in den Wirren des ausbrechenden Ersten Weltkrieges zu vergessen. Er sehnt sich nach einem dramatischen Ende auf dem Schlachtfeld, kommt aber davon. Die Schuld an Ediths Tod nagt auch nach der Verleihung von Tapferkeitsorden an ihm. Das schlechte Gewissen bleibt sein lebenslänglicher Begleiter.
4D 9H
Doppelbesetzungen möglich
Schauspiel
Bearbeitung: Stefan Slupetzky

Credits

Dramatisierung von Stefan Slupetzky nach dem Roman „Ungeduld des Herzens“ von Stefan Zweig